Bochum

Sie kann eine gewisse traurige Berühmtheit für sich in Anspruch nehmen – die Gruppe 124 von "amnesty international" (Deutsche Sektion).

"Häftling I" ist der erste Südafrikaner, der auf Grund des "180-Tage-Gesetzes" zum Verhör festgehalten wurde.

"Häftling III" ist der erste koreanische Student, der in Frankreich in Politischer Wissenschaft promovierte.

Zwei Häftlinge – zwei Schicksale. Schicksale für "amnesty international".

Die 124. deutsche Gruppe wurde im März des vergangenen Jahres von zwei Studienassessorinnen, einer Buchhändlerin und einem Schüler gegründet. Im November 1968, in der ersten der seitdem jährlich stattfindenden "Woche des Gewissensgefangenen", hatte ein Untersekundaner der Bochumer Goethe-Schule von "amnesty" erfahren. Er sah im Einsatz für diese Organisation eine Chance, die verbale Beschäftigung mit gesellschaftspolitischen Problemen in ein aktives humanitäres Engagement "umzufunktionieren". Besonders attraktiv erschien ihm die Ideologiefreiheit "amnestys" und die völlige parteipolitische Neutralität der Vereinigung, die abstach von den meisten anderen Organisationen. Der erste Eindruck der "großen Demonstrationen" der vorangegangenen Monate verwischte immer mehr und machte unter vielen "kritischen" Schülern einer Enttäuschung über den sich langsam abzeichnenden Zerfall und einem Unmut über die militanten Methoden der "Apo" Platz.

Wen wundert es, daß eine Organisation wie "amnesty international" besticht, da sonst sinnloser Aktionismus in meist ebenso sinnlosen Verbalismus überging – eine Organisation wie "amnesty international", die Worte in Taten umsetzt.