Rod Stewart: "Gasoline Alley"; Vertigo 6360500, 20,– DM

Bob Dylan hat "Only A Hobo", eine seiner besten Kompositionen, leider nie auf Platten aufgenommen. Inzwischen ist das auch nicht mehr nötig. Denn "Rod The Mod" Stewart hat diese Nummer für sein zweites Solo-Album "Gasoline Alley" eingespielt. Und Rod Stewart ist der beste Dylan, den es je gab.

"Gasoline Alley" ist insgesamt stärker von Country-Music-Elementen beeinflußt als Stewarts Solo-Debüt "An Old Raincoat Won’t Ever Let You Down"; und während das erste Album die deprimierende Aura der Stones-LP "Beggars Banquet" besaß, ist das zweite eher ein resignierender Rückblick auf verschiedene Entwicklungen im Rock ’n’ Roll der sechziger Jahre. Beispielsweise "Jo’s Lament": eine Fortsetzung der Saga, die Rod Stewart schon seit seinen ersten Versuchen als Blues-Sänger ("So Much To Say") erzählt und mit einem eigenen Song, "Cindy’s Lament", definitiv verewigt hatte; oder "It’s All Qver Now": in Rods Neuinterpretation klingt es wie eine melancholische Reminiszenz an die frühe Stones-Ära; und natürlich "My Way of Giving": ein Hommage an die Small Face, die jahrelang nur als die "Who für Anspruchslose" galten, obwohl diese Gruppe mehr musikalische Talente in sich vereinte als alle Beatles-Epigonen.

"Gasoline Alley" ist ein ungemein persönliches, oft auch autobiographisches Album, obwohl die Auswahl der Song-Titel für einen Rock-Sänger ungewöhnlich elektizistisch zu sein scheint. – Für einschlägig Interessierte: Kenny Jones, Drummer der Faces, spielt nur auf "You’re My Girl" und "My Way of Giving"; auf den übrigen Titeln ist im Zweifelsfalle Mickey Waller, der Schlagzeuger der ersten Jaff Beck Group, zuhören.

Franz Schüler