Kein inländisches Ereignis ist in den letzten Jahren in der ganzen Welt so viel beachtet worden, hat so viel Rätsel aufgegeben wie die Große Proletarische Kulturrevolution in China. Daher ist auch in westlichen Sprachen zieinlich viel darüber geschrieben worden. Meinem Literaturbericht zur Kulturrevolution, der im Februar in der ZEIT erschienen ist (Nr. 970), muß ich schon wieder die Anzeigen neuer und wichtiger Bücher folgen lassen. Als erstes Maurice Ciantar: "1000 Tage Peking", aus dem Französischen von Jürgen Schwab; Verlag Ullstein, Berlin 1970; 365 S, 25 - DM Der Augenzeugenbericht des französischen Journalisten Ciantar, der auszugsweise in der 1965—1968. Ciantar, der in Peking für die französischsprachige Ausgabe der Wochenzeitschrift Peking Runds chau arbeitete, führte drei Jahre lang ein geheimes Tagebuch und konnte es schließlich in den Westen schmuggeln. NachderrTihm die Ausreise aus Peking gelungen war, ließ er das Tagebuch veröffentlichen.

Ciantar verhehlt nicht, ein Antikommunist zu sein. Seine Schilderungen der Roten Garden in der Provinz, der Massen auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" oder der Belagerung seines Hotels in Peking sind dementsprechend gefärbt. Als Junggeselle (geb. 1915) durfte er fünfzig Prozent — im Gegensatz zu dreißig Prozent für einen Verheirateten — seiner gesamten Vergütungen in Devisen umtauschen. Dazu Ciantar: "Es ist ein Vorteil, den man sich nicht hat entgehen lassen und der neben der landschaftlichen Schönheit die einzige angenehme Erinnerung ist, die ich aus diesem Konzentrationsland mitgebracht habe "

In dem Dialog zwischen "Leser und "Autor", den Ciantar als Einführung und zugleich als Schlußfolgerung aus seinen Erlebnissen dem Buch voranstellt, heißt es weiter: "Wenn zur gleichen Zeit, da die Dritte Welt, weil sie unfähig ist, unserem Beispiel zu folgen, mit ihrem um einen Zahlteller verlängerten Finger auf uns als den Feind Nummer eins der Menschheit zeigt, ist es geboten, die Herausforderung anzunehmen. Die Zeit der großen Sammlungsbewegung des weißen Mannes ist gekommen, will er nicht zum Schuhputzer der Menschheit werden "

Für Ciantar ist Liu Schao tschi nach wie vor der legale Staatspräsident der Volksrepublik China, Mao jedoch "der chinesische Stalin und Machthaber", "ein gigantischer Spieler". Die Empfehlung des Au q0rtwfd e:Mögen diesajppme PngSieJi;! Ihrer weißen und eines freien Menschen Haut bestärken, dann werden diese fern des prächtigen Westens verbrachten Winter für mich drei Frühlinge gewesen sein Meine, also des Lesers Empfehlung an den Autor: "Cher Monsieur Ciantar, lernen Sie Chinesisch, oder widmen Sie sich wenigstens einem gründlichen Studium der Weltgeschichte, und schreiben Sie dann eine Gegendarstellung zu Ihrem Buch!"

Weniger Glück als Ciantar hatte der englische Reuter Korrespondent Grey, dem die Ausreise aus China zunächst verweigert und dessen Tagebuch inmitten der Kulturrevolution vernichtet wurde. Der junge Engländer mußte zwei Jahre in Einzelhaft in Peking verbringen. Grey war anscheinend nicht so raffiniert wie Ciantar, sondern fast ungeschickt oder "frech", wie er sich selber oft zynisch bezeichnet:

Anthony Grey: "Als Geisel in Peking. Der dramatische Bericht eines britischen ChinaKorrespondenten", aus dem Englischen von Norbert Wölfl; Droemer Knaur Verlag, München 1970; 344 S.

s 25 — DM Sein Unglück wurde durch einen Vorgang in der britischen Kronkolonie Hongkong heraufbeschworen: Dort waren im Sommer 1967 prokommunistische Chinesen unter dem Verdacht der Unruhestiftung verhaftet worden, der Journalist Hsueh Ping erhielt sogar zwei Jahre Gefängnis. Daraufhin wurde Grey sozusagen als Geisel unter Hausarrest gestellt, nicht ohne zuvor von jungen Rotgardisten in demütigender Weise körperlich mißhandelt worden zu sein. Erst im Herbst 1969, als die britischen Behörden in Hongkong- die chinesischen Journalisten und Kommunisten freigelassen hatten, erhielt Grey seine "volle Bewegungsfreiheit" wieder. Am 10. Oktober kehrte er nach London zurück, und bereits einige Monate danach erschien sein Buch, das sofort in mehrere Sprachen übersetzt wurde.