Aus dem Rechenschaftsbericht des Ersten Sekretärs der Kommunistischen Partei Ungarns, János Kádár:

"In der Politik der Regierung der Bundesrepublik Deutschland ist eine Annäherung an die Realitäten wahrzunehmen, die zu der Normalisierung der europäischen Verhältnisse beitragen kann. Wir begrüßten den Vertrag zwischen der Sowjetunion und der Bundesrepublik als einen günstigen Schritt für Europa, ebenso auch den in den letzten Tagen paraphierten Vertrag zwischen der Volksrepublik Polen und der BRD.

Vieles hängt von der Lösung der aktuellsten offenen Fragen ab. Die BRD hat noch die mit der Sowjetunion und Polen abgeschlossenen Verträge zu ratifizieren und in den bekannten konkreten Fragen mit der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik eine Vereinbarung zu treffen. Nicht zuletzt muß die BRD auf der Grundlage des Völkerrechts die entsprechenden Formen der friedlichen Koexistenz mit der selbständigen und souveränen Deutschen Demokratischen Republik finden.

Wenn die Regierung Brandt/Scheel gegenüber den reaktionären, chauvinistischen Kräften ihres eigenen Landes die nötige, politische Standhaftigkeit haben wird, um die Schritte zur Fortsetzung der Regelung der Beziehungen fortzusetzen, was auch genau den lebenswichtigen Interessen der westdeutschen Bevölkerung entspricht, so wird der Regelung der vollwertigen zwischenstaatlichen Beziehungen zu den sozialistischen Ländern nichts im Wege stehen.

Die Ungarische Volksrepublik war und ist im Prinzip auch hinsichtlich der BRD jederzeit ein Befürworter der Normalisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen. Im Laufe der Jahre wurden gegenseitig vorteilhafte umfassende wirtschaftliche Beziehungen geschaffen, jetzt haben wir einen langfristigen Handelsvertrag abgeschlossen, in beiden Ländern sind offizielle Handelsvertretungen tätig.

Wir sind bereit, wenn die Situation reif ist, unsere Beziehungen zur BRD weiterzuentwickeln, auch die Regelung der diplomatischen Beziehungen inbegriffen. Dies hängt mit der Absicht der Ungarischen Volksrepublik zusammen, durch zweiseitige und mehrseitige Verbindungen auch weiterhin ihren Teil zu den Bemühungen um die Schaffung des europäischen Friedens und der europäischen Sicherheit beizutragen..."