Unbestrittener Sieger der bayerischen Landtagswahlen vom letzten Sonntag ist die CSU. Sie erreichte mit 56,4 Prozent die absolute Stimmenmehrheit (1966: 48,1 Prozent) und vergrößerte die Zahl ihrer Abgeordneten im Münchener Maximilianeum um 14 auf 124. In den Großstädten und stadtnahen Regionen konnte sie der SPD elf Direktmandate abnehmen.

Der "zweite Gewinner" ist die FDP: Die Freien Demokraten erreichten im Wahlkreis (Regierungsbezirk) Mittelfranken 12,4 Prozent und überwanden damit die Hürde der zehn Prozent, die nach dem bayerischen Wahlgesetz in einem Wahlkreis errungen werden müssen, um in den Landtag einzuziehen.

Die SPD erreichte 33,3 Prozent (1966: 35,8) und stellt im Landtag 70 Abgeordnete (1966: 79).

Die NPD, im alten Landtag mit 15 Abgeordneten vertreten, scheiterte an der Zehn-Prozent-Sperre. Ausgerechnet in Mittelfranken, wo sie 1966 mit 12,2 Prozent ihren höchsten Stimmenanteil errang und der FDP (1966: 9,0 Prozent) den Einzug in den Landtag verwehrte, verlor die NPD am stärksten und sank um 7,2 Punkte auf 5,0 Prozent.

Sieben Parteien – CSU, SPD, NPD, FDP, Bayernpartei, DKP und Europäische Föderalistische Partei – hatten sich in einem heftigen, mit "Haken und Ösen" geführten Wahlkampf um die Stimmen der rund 7,3 Millionen Wahlberechtigten – darunter knapp 950 000 Erstwähler – beworben. Die Wahlbeteiligung betrug 80,1 Prozent (1966: 80,6 Prozent).

Die CSU sieht in dem Wahlergebnis eine Bestätigung ihrer Landespolitik und der Rolle, die sie als Opposition in Bonn spielt. Der Wähler habe sie als "Partei der Mitte" bestätigt, die "mit Umsicht und Tatkraft eine vitale, dynamische, ernsthafte und glaubwürdige Politik" gewährleiste. Die Bayernwahl habe auch Brandts Behauptung widerlegt, die Bonner Ostpolitik finde in der Wählerschaft eine weitaus größere Mehrheit als im Parlament.

Die SPD stellte das "Aufsaugen der rechtsradikalen NPD in die CSU" in den Vordergrund. Die von Strauß angekündigte "nationale Sammlungsbewegung" sei damit in einem "bedrückenden Ausmaße" Tatsache geworden.