Nach Farbfernsehgeräte-Herstellern und dem Autoproduzenten Opel hat jetzt das Berliner Bundeskartellamt Deutschlands Autoriesen im Visier: das Volkswagenwerk. Es geht nicht um das fertige Produkt, den VW, sondern "nur" um die Ersatzteile.

Am 16. Oktober forderte das Bundeskartellamt die Wolfsburger auf, 269 Ersatzteile aus der Preisbindung zu nehmen. Begründung: Den VW Erzeugnissen fehle der Wettbewerbscharakter. Zur Preisbindung sind nämlich nur Waren zugelassen, die mit anderen, gleichartigen Erzeugnissen im Wettbewerb stehen. Das VW-Werk, so argumentieren die Berliner Kartellwächter, besitze aber praktisch ein Monopol.

Im Bewußtsein seiner Potenz lehnte Wolfsburg das bürokratische Ansinnen aus Berlin ab – fristgerecht zum 15. November. Begründung: Auf dem Automobilmarkt herrsche Wettbewerb der Marken untereinander. Beim Kauf entscheide der Käufer über die Marke und damit folglich auch für die Ersatzteile. Damit sei der Wettbewerbscharakter für die Ersatzteile gegeben.

Nun wartet man in Wolfsburg auf die "Aufhebungsverfügung" aus Berlin. Das heißt, es wird zu einem Prozeß kommen. Bei VW ist man entschlossen, diesen Prozeß bis zum Ende durchzustehen. Und das kann Jahre dauern.

Bis die Entscheidung gefallen ist, können sich VW-Fahrer freuen oder ärgern, je nach Einstellung zu den Fixpreisen in der Reparaturwerkstatt. Mit ziemlicher Sicherheit wird aber die Freude klein sein, wenn die Preisbindung fällt. Denn das Kraftfahrzeug-Handwerk wird dann seine angeblich zu geringen Gewinnspannen der Nachfrage anpassen.

Für oder gegen wen entschieden wird, spielt indes für das Bundeskartellamt eine untergeordnete Rolle. Es geht um den Wettbewerb. rg