Die Außen- und Wirtschaftsminister der europäischen Sechs sind auf dem besten Wege, die EWG zum politischen Kernstück des Einigungsprozesses werden zu lassen, an dessen Ende eine politische Union stehen soll. Anfang dieser Woche haben sie sich in Brüssel zwar nicht auf alle Einzelheiten ihres großen Projekts für dieses Jahrzehnt einigen können: der Weiterentwicklung der EWG zur Wirtschafts- und Währungsunion. Aber sie stimmten doch darin überein, daß die Schwelle zu diesem Wagnis am 1. Januar des nächsten Jahres überschritten werden soll. Am 14. Dezember wollen sie endgültig darüber beschließen.

Gemessen daran nehmen sich Versuche der sechs Außenminister, das Vorfeld einer politischen Union unter den Pflug zu nehmen, recht bescheiden aus. Ihre erste Konsultationskonferenz in München machte jedenfalls deutlich, daß sich das Blatt gewendet hat: Im Gegensatz zu früheren Einschätzungen ist die Wirtschaftsgemeinschaft viel geeigneter für europäische Einigungsunterfangen als die Bereiche der Außen- und Verteidigungspolitik.

Das wird auch noch einige Zeit so bleiben. Indessen hat schon die Debatte im EWG-Ministerrat über die einzelnen Etappen der Wirtschafts- und Währungsunion erkennen lassen, welche Probleme die unvermeidbare Übertragung nationaler Zuständigkeit auf übernationale Gemeinschaftsinstanzen aufwirft. Hinzu kommt: Soll den Supertechnokraten in Brüssel nicht beispiellose Macht zuwachsen, wird der Ausbau der EWG von einer verstärkten Kontrolle durch das europäische Parlament begleitet werden müssen.

Bonn wünscht diese Entwicklung. Es will die Wirtschaftsunion mit allen institutionellen und politischen Konsequenzen, während Paris jeglicher Anstrich eines europäischen Superstaates widerstrebt. Hierin liegt das Hindernis. Wirtschaftliche Sachzwänge könnten es überwinden, wo außenpolitische Einsichten allein nicht ausreichen. Be.