Oberschüler und Studenten – die intellektuellen Spitzenkräfte von morgen also – sind in unserer Gesellschaft in eine soziale Rolle gedrängt, die ihnen in keiner Weise angemessen ist. Sie sind oft bis zum 25., ja 30. Lebensjahr von ihren Eltern finanziell abhängig; die dadurch entstehenden Unfreiheiten erwachsener Menschen (!) müßten eigentlich jeden Verantwortlichen beschämen. Ich möchte mich jedoch auf die Schüler beschränken, da diese, bis auf wenige Ausnahmen, überhaupt keine Unterstützung des Staates erhalten.

Warum bekommen nicht alle Schüler eine Ausbildungsbeihilfe, die etwa der Lehrlingsvergütung entspricht? Viele Schüler sind, da sie von ihren Eltern nur ein bescheidenes, jedoch keinesfalls ausreichendes Taschengeld bekommen können, gezwungen, einen Job anzunehmen, um das nötige Geld zu erhalten. Eine Bildungs- und Chancengleichheit – in meinem Jahrgang (Unterprima) befindet sich unter etwa 60 Schülern ein Arbeiterkind – kann nur durch eine finanzielle Unterstützung der Eltern und der Schüler erreicht werden.

Wer vor der Wahl steht, bis zum 30. Lebensjahr nichts oder ab 20 gut zu verdienen, der hat im Grunde nur recht, wenn er sich gegen den Besuch eines Gymnasiums entscheidet. Wenn der Staat den Oberschülern von der Obersekunda an ein Taschengeld zahlen würde, könnte die (finanzielle) Benachteiligung gegenüber den Lehrlingen zumindest zum Teil aufgehoben werden. Zusammen mit einer zusätzlichen Ausbildungsbeihilfe für die Eltern ergebe dies garantiert einen Zuwachs von Abiturienten, was für unseren Staat sehr wichtig wäre.

Es ist eine Ungerechtigkeit (und für mich ein Denkfehler im System), daß junge Menschen, die eine besonders gute (Aus-)Bildung erhalten wollen, vom Staat, der schließlich entscheidend davon profitiert, nicht genügend unterstützt werden. Dem kommenden Bildungsnotstand in der Bundesrepublik kann nicht ausschließlich mit aufklärenden Maßnahmen begegnet werden, da (nicht nur in den unteren Bevölkerungsschichten) rein finanzielle Erwägungen eine Rolle spielen.

Außer Frage steht, daß eine derartige Unterstützung nicht leicht zu bewerkstelligen ist, da der Bildungsetat eben zu sehr begrenzt ist. Da ich aber keinen anderen Weg sehe, mehr Abiturienten und damit Hochschüler zu gewinnen, und diese in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sehr nötig gebraucht werden, bleibt für mich als einzige Möglichkeit die drastische Anhebung des Bildungsetats übrig. Sollte dies nicht geschehen, so hätte der Staat die weitreichenden Konsequenzen zu verantworten, was uns jedoch, da es auf uns alle zurückfiele, wenig nützte.

Holger Kühne (Gymnasiast, 18 Jahre)