Der Verwaltungsrat der Gramco Management Ltd. in Nassau (Bahamas) ist auf Grund der vorliegenden großen Rücknahmeanträge zu dem Schluß gelangt, daß die Weiterführung des Usif Real Estate (Immobilienfonds) als offener Fonds "keine brauchbare Lösung sein könne". Es wird geplant, den Usif als geschlossenen Fonds weiterzuführen, der keine Anteile mehr zurückkauft. Seine Anteile könnten dann an den Börsen frei gehandelt werden. Damit bekämen die Usif-Anteilseigner die Möglichkeit, sich von ihren Papieren trennen zu können.

Das ist für die Usif-Anleger indessen nur ein schwacher Trost. Denn an der Börse bildet sich der Kurs der Usif-Anteile nach Angebot und Nachfrage. Mit dem inneren Wert braucht er keineswegs übereinzustimmen. Bisher ist der Wert eines Usif-Anteils auf Grund der vorhandenen Vermögenswerte festgesetzt worden. Von kontinuierlichen Wertsteigerungen wird künftig keine Rede mehr sein, da es keine Stelle mehr geben wird, die Usif-Anteile zu dem errechneten Nettowert aufkauft.

Eine südamerikanische Gruppe hat bereits erklärt, sie wolle die Änderung der Fondsstruktur verhindern. Dem dürften sich andere Usif-Anleger anschließen. Ob die Umwandlung von einem open-end- in einen geschlossenen Fonds tatsächlich verhindert werden kann, wird sich zeigen, wenn damit die Gerichte auf den Bahamas befaßt werden. Daß die Gramco-Manager diese Lösung als die beste ansehen, ist verständlich. Damit verhindern sie, daß Millionenwerte, die sie mit einem Heer von Investment-Vertretern ansammeln ließen, aus ihrem Herrschaftsbereich still wieder verschwinden. Im geschlossenen Fonds bleibt das Vermögen dem Zugriff der Anteilseigner entzogen. Geschlossene Fonds sichern ihren Managern eine Rente auf Lebenszeit.

Auf einem anderen Blatt steht die Frage, ob es überhaupt im Interesse der Usif-Anteilseigner liegen kann, den gesamten Fonds mehr oder weniger rasch zu liquidieren. Da die internationalen Immobilienfonds seit Monaten keinen nennenswerten Zufluß neuer Mittel mehr hatten, ist der Immobilienmarkt in den USA offenbar etwas "weicher" geworden. Man kennt dort die Zwangslage gewisser Immobilienfonds; ihre Objekte scheinen zu vernünftigen Preisen nicht verkäuflich zu sein. Das ist eine Entwicklung, die viele vorausgesagt hatten. Auch in den USA bedeutete es schon etwas, wenn Usif seine 245 Immobilienobjekte im Gesamtwert von ca. einer Milliarde Dollar zu Geld machen müßte.

Die Usif-Gegner sind also in einer Zwangslage. Bei der Schließung des Fonds wären sie zwangsläufig mit ihrem Vermögen an Usif gebunden, hatten aber die Möglichkeit, durch den Verkauf ihrer Anteile über die Börse wenigstens einen Teil des eingezahlten Geldes wiederzusehen. Andererseits können sie nicht sicher sein, ob angesichts der hohen Belastungsquote der Objekte bei einem überstürzten Verkauf überhaupt noch etwas vom Eigenkapital übrigbleiben wird.

Die Gramco-Manager geben dem deutschen Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen die Hauptschuld an der Misere. Die Berliner Behörde hatte vor einigen Wochen den öffentlichen Verkauf und die öffentliche Werbung für Usif untersagt, weil nach ihrer Ansicht Usif nicht dem deutschen Auslandsfonds-Gesetz Rechnung trägt. Wahrscheinlich hat dieses Verbot die Schließung aber nur beschleunigt. Das große Fonds-Geschäft war vorüber, als Investors Overseas Services (IOS) in eine Krise geriet. Danach, begannen selbst die vertrauensseligen deutschen Anleger über die Praktiken internationaler Fonds nachzudenken.

Offen ist noch der Status jener Personen, die in den Tagen unmittelbar vor Inkrafttreten des Rücknahmestopps vom 7. Oktober Rücknahmeanträge stellten, aber kein Geld mehr überwiesen erhielten. K. W.