Der Streit um ein europäisches Lastenausgleichsangebot für die US-Truppen in Europa dauert an.

Auch die Konferenz des britischen Verteidigungsministers Carrington mit seinem deutschen Kollegen Schmidt letzte Woche brachte keine Annäherung der Standpunkte. Die britische Regierung lehnte weiterhin eine Beteiligung an dem deutsch-niederländischen Programm ab, das ein verbessertes Fernmeldesystem sowie Schutzbauten für Kampfflugzeuge vorsieht. Carrington betonte, es sei für Großbritannien unmöglich, in einer Zeit staatlicher Sparmaßnahmen zusätzliche Mittel für Verteidigungsprojekte aufzubringen. Die britische Regierung will dafür von 1972 an einen größeren militärischen Beitrag leisten.

Mit Befremden wurde in London die Bemerkung Staatssekretär Ahlers aufgenommen, die starre Haltung Großbritanniens werde möglicherweise Auswirkungen auf seine Beitrittsgespräche mit der EWG haben. Bonn hat Ahlers Äußerung sofort zurückgewiesen.

Trotz der europäischen Differenzen über ein Lastenausgleichsangebot hat sich Präsident Nixon gegen jeden einseitigen Abzug amerikanischer Truppen aus Europa ausgesprochen. Auf einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates lehnte er die von Verteidigungsminister Laird vorgeschlagene Kürzung um 20 000 bis 30 000 Mann nach dem 1. Juli 1971 ab Eine Truppenverminderung komme mit dann in Betracht, wenn gleichzeitig die sowjetischen Streitkräfte verringert werden. Es wird erwartet, daß der Präsident auf Gespräche zwischen der Natc und dem Warschauer Pakt über eine beiderseits ausgewogene Truppenreduzierung drängen wird.

Mit dem Aufbau der Nato befaßten sich die Parlamentarier der Westeuropäischen Union (WEU) in der vergangener Woche in Paris. Sie rügten die Struktui der Nato als "unrational" und "unbrauchbar" und billigten einmütig einer Bericht, in dem dem WEU-Ministerrat empfohlen wird, die Regierungen zu eine Rationalisierung des ganzen Systems zu veranlassen.