Allesamt sind das sympathische junge Leute, denen man ins Zeugnis zu schreiben pflegt, sie "berechtigten zu guten Hoffnungen". Sie haben nämlich ganz zu Anfang fast alle "etwas gelernt", etwas Handfestes, was soviel heißt wie: daß etliche, ehe sie sich in Sachen des Designs unterweisen ließen, Handwerker gewesen sind, manche ausgestattet mit Meistertiteln oder anderen Zertifikaten, oder Industriefacharbeiter mit Qualifikation, Leute also, die die Wichtigkeit dessen zu beurteilen imstande sind, was die Fachleute so zungenfertig wie korrekt mit der "ergonomischen Qualität" eines Gerätes oder einer Maschine umschreiben: wie es anatomisch, physiologisch, psychologisch bei der Arbeit sich bewährt, auch wie es zu handhaben ist. Der Wettbewerb, dem sie sich unterworfen haben und der in diesen Tagen entschieden worden ist, heißt: "Braun-Preis für technisches Design".

Unter diesem Titel, der allzu leicht in die Exklusivität des Fachleute-Verständnisses zu gleiten neigt, ereignete sich in Wahrheit jedoch etwas allgemein Interessierendes, und nicht allein deswegen, weil unter den prämiierten Gegenständen sich auch ein Waschtisch befand und ein Omnibussitz, sondern weil hier zugleich gezeigt wurde, daß "Design" eben nicht bedeutet, "Produkten eine gefällige Fassade zu geben, die sich leichter verkauft".

Mit dem Preis, der jetzt zum zweitenmal vergeben worden ist, "wollten wir es uns natürlich nicht leichtmachen, und zum Beispiel einem arrivierten Designer zum soundsovielten Mile einen Preis für dasselbe Produkt zukommen lassen", sagte Dr. Fritz Eichler von der preisstiftenden Firma, als Förderer selber mit Meriten im Fach reichlich versehen. Also gerade, nicht das zu tun, was die Bundesregierung mit ihrer Plakette "Gute Form" bisher zu tun pflegte. Die Stifter haben ein anderes, um vieles interessanteres Ziel, nämlich junge Industrie-Designer und Techniker, nicht älter als 35 Jahre, die noch in der Ausbildung oder noch nicht länger als zwei Jahre im Beruf sind, zu fördern, zu ermutigen.

Die Begründung: "Wir wußten, daß gerade an Designschulen oft hervorragende Arbeiten gemacht werden", die "frei von den allzu hektischen und engen Bindungen eines Industriebetriebes" oft überraschend und originell sind und auf neue Möglichkeiten hinweisen.

149 Bewerber aus sechzehn Ländern hatten, sich gemeldet, 41 waren in die engere Wahl gekommen, ausgezeichnet wurden vier Arbeiten, die in mannigfacher Hinsicht hervorragten und als Beispiel dafür taugen, was im guten Sinne unter dem Stichwort "Design" geführt werden kann. Entscheidend waren: die Qualität der Idee, die Brauchbarkeit des Gerätes, seine Gestaltung, die Möglichkeit seiner möglichst rationellen Herstellung, nicht zuletzt die gesellschaftliche Funktion, die dem Gegenstand zukommt.

Das "Gesellschaftliche" ist hier kein modisches Aperçu, sondern erklärbar an der Wichtigkeit, die der eine oder andere Gegenstand für die Allgemeinheit hat. Darum wetteiferten sehr verschiedenartige Dinge miteinander: pneumatische Wagenheber, Elektrowerkzeuge, Küchenmaschinensysteme (nichts Neues auf diesem Gebiet?), Schreibmaschinen mit geteilter Tastatur für die linke und die rechte Hand, oder Handhobel; Transportwagen "für die Rettung von Menschen in Lebensgefahr", ein "Reinigungsautomobil", das Straßen samt Schildern und Leitplanken zu säubern imstande ist, ein Mähdrescher, halb so hoch wie die handelsüblichen, aber doppelt so lang; auch Armaturen, mobile Wohneinheiten mit teilweise phrasenreichen Erörterungen sowie ein intelligent entworfener Kreiselzettwender, worunter man einen Heuwender zu verstehen hat.

Den Hauptpreis von 10 000 Mark bekam das noch in Ulm trainierte Designer-Duo Jürgen Jähnert und Axel Lintener für ein "Lehrgerät für den Einzelunterricht". Hinter dem spröden Titel verbirgt sich ein Zukunftstip: ein computerartiges Gerät für den Schulunterricht mit elektronischen Hilfsmitteln. Angeschlossen an ein Speichergerät, kann man mit ihm Lehrprogramme abrufen, kann der Schüler also im Zwiegespräch "mit der Maschine" lernen – und braucht den Lehrer nicht mehr als Lehrperson, sondern vorwiegend als Pädagogen. Das deutet schon an, daß die beiden Entwerfer sich vorher in die nicht unkomplizierte Materie der Unterrichtstechnologie eingearbeitet hatten, ehe sie darangegangen sind, sich mit der Gestalt eines solchen "Computer terminal" zu beschäftigen.