Salzwasser würzt das Abenteuer. An Land zwar ist auch manches los; aber dort, wo der Wal harpuniert wird, Piraten aufkreuzen, die Seeschlange den Seemann schreit, Orkane toben und Kapitäne, wie aus Teakholz geschnitzt, den tausend Gefahren trotzen, auf den sieben Weltmeeren also, ist Langeweile rasch zum Untergang verurteilt. Große und kleine Jungen können allerhand dabei erfahren, und Mädchen mögen’s miterleben.

Nirgends ist mehr Raum für Phantasie als auf dem Ozean, immer mehr Jugendschriftsteller wagen sich aufs Wasser. Nicht wenige geraten dabei auf die Klippen der Realität, scheitern schon an den simpelsten Begriffen der Seemannschaft. Und in dem schön und zugleich instruktiv illustrierten "Komm mit auf See"-Brevier in der Reihe "Weite Welt der Abenteuer" der Franckhschen Verlagsbuchhandlung wird nun zum dreidutzendsten Male die dreidutzendmal widerlegte Legende wiederholt, daß die "Titanic" gesunken ist, weil die Schiffsführung unbedingt das "Blaue Band" erobern wollte. Der Fehler sei entschuldigt: Das Original des Buches kommt aus dem tiefsten Binnenland, aus Ungarn; Autor Jenö Ivany hat da, ein bißchen Sehnsucht nach der See im Unterton, viel Aufregendes über Schiffe und auch Fische geschrieben.

Über Seeschlangen, Meerdrachen, Riesenkraken, die mit ihren Fangarmen ganze Schiffe in die fürchterliche Tiefe zogen, über Monstren aber auch zu Lande und in der Luft berichtet Horst Künnemann. Gefundenes und Erfundenes wird detektivisch untersucht. Ein Jugendbuch? Gewiß; aber es kann auch in der ausgewachsenen Seefahrtbüchersammlung eines Erwachsenen stehen.

Nur zum Teil auf hoher See hat auch Hugo Kocher die Gefahren und Geheimnisse aufgespürt, die er zur "Unheimlichen Fracht" bündelt. Man weiß nicht so recht, ob und wo bei den einzelnen Geschichten der Grund auszuloten ist. So wird versucht, das berühmte Rätsel der "Mary Celeste" zu lösen, jener Brigantine, die 1872, unter Segel treibend, von der Mannschaft offenbar in aller Hast, aber ohne ersichtlichen Grund verlassen, im Atlantik aufgefunden wurde und den Seeämtern, Kopfzerbrechen bereitete. Überlebende wurden nie geborgen. In Kochers Darstellung ist ein Irrer, der mit einem Pulverfaß spielt, des Rätsels Lösung. Nun, es gibt Untersuchungen über das Schicksal der "Mary Celeste", die logisch, und Geschichten, die minder haarsträubend sind.

Eine hingegen weniger erdachte als dem Nachdenken entsprungene Geschichte erzählt Hanns Christian Jessen vom Schiffbruch der Walfänger aus Romö im arktischen Eis anno 1777. Ein bißchen friesische Bedächtigkeit bremst den Gang der Handlung; aber alles "stimmt", und neben Besinnlichkeit kommt Spannung nicht zu kurz.

Tatsachenhintergrund hat auch "Seehunde SOS", wobei freilich auch Sagenhaftes auftaucht, Ein irischer Aufrührer wird 1920 mit einem Boot vom Festland in Sicherheit gebracht; höchste Seenot muß gemeistert werden, wobei ein erfahrener Großvater-Seemann mit seiner jungen Mannschaft sich auf das Gespür von Seehunden verläßt. Kaltblütigkeit und Hilfsbereitschaft – das ist die Lektion.

Und schließlich kommt Humor ins Abenteuer, Angesegelt aus angelsächsischer Gegend, versteht sich. Sid Fleischmann erzählt die Geschichte eines Jungen, der unversehens unter die Piraten gerät, unter Piraten, die an Spuk und böse Geister glauben. Der Junge benimmt sich "wie ein Mann". Das lesen Jungen gern, die zum Beispiel noch das Problem haben, daß sie von den Alteren in der Schule verprügelt werden. Hier ist zu lernen, wie man sich nicht nur mit der Faust, sondern auch mit Grips durchschlägt.