Zum erstenmal in der Geschichte der Vereinten Nationen fand der Antrag, die Volksrepublik China aufzunehmen, eine einfache Mehrheit. 51 Staaten^stimmten für, 49 Staaten gegen den von Albanien eingebrachten Antrag. 26 Mitgliedstaaten enthielten sich der Stimme. Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit – wie in den vergangenen Jahren wir die Aufnahme zur "wichtigen Frage" erklärt worden – kam dagegen in der vorigen Woche in der UN-Vollversammlung nicht zustande.

Nach diesem Ergebnis scheint ein Beitritt Pekings im nächsten Jahr nicht ausgeschlossen, da auch die bisher von den USA aufgerichtete Hürde, die Aufnahme zur "wichtigen Frage" zu machen, in den letzten Jahren immer weniger Zustimmung fand. Bei Beginn der China-Debatte hatte Washington angedeutet, daß die Vereinigten Staaten einen Beitritt Pekings nicht mehr grundsätzlich ablehnen. Aber die in dem albanischen Antrag enthaltene Forderung, gleichzeitig Nationalchina auszuschließen, wird von Washington entschieden abgelehnt.

Die "Zwei-China-Theorie", auf die sich die Vereinigten Staaten zurückziehen möchten, wird von Peking und Taiwan (Nationalchina) gleichermaßen verworfen. Mit Verbitterung wurde aber in Taiwan registriert, daß sich Washington jetzt mehr um eine Formel bemüht, nach der beide chinesischen Staaten in den UN vertreten sein können, als weiter den Alleinvertretungsanspruch Taiwans zu unterstützen.

Die meisten Staaten, die in diesem Jahr noch gegen Peking gestimmt haben, wünschen ebenfalls eine Vertretung beider. chinesischer Staaten in den Vereinten Nationen.