Kaum hatte sich die IATA zum 1. April 1971 auf höhere Preise für Atlantikflüge festgelegt, da drohte diesem internationalen Kartell der Luftfahrtgesellschaften Gefahr aus dem Osten. Ulbrichts Lufthansa-Pendant Interflug, verkündete kampfeslustig, demnächst ihren Westflug mit der Eröffnung einer Fluglinie Ostberlin – Rom fortzusetzen.

Wenige Tage zuvor hatte die DDR-Luftfahrtgesellschaft der Westallianz bereits den Kampf angesagt. Am 11. November eröffnete sie den Linienverkehr zwischen Ostberlin und Wien. Die DDR steht damit zum erstenmal in regelmäßiger Luftverbindung mit einem westeuropäischen Land. Zum erstenmal auch erhielt Interflug eine Landeerlaubnis in Westeuropa.

Freilich, gleich zu Beginn gab es eine Panne. Die Flugverbindung nach Wien mit dem Düsenflugzeug Tupolew 134 sollte bereits am 4. November eröffnet werden, wie aus großen Anzeigen in Wiener Tageszeitungen zu ersehen war. Für diesen Tag waren auch schon Flugscheine ausgegeben worden. Ob die Verschiebung des Starts auf technische Schwierigkeiten oder auf das bürokratische Durcheinander zurückzuführen ist, blieb ungeklärt.

Ganz wohl war den Wienern bei ihren Ostkontakten nicht. Nach der Bekanntgabe des Abkommens mit Wien, um das sich die DDR jahrelang vergeblich bemüht hatte, erklärte ein Vertreter des österreichischen Außenministeriums, es handele sich hierbei, um ein "privatrechtliches Abkommen". Später behauptete ein Sprecher des Verkehrsministeriums, die Vereinbarung sei durch untergeordnete Beamte ohne Wissen der zuständigen Minister zustande gekommen.

Beides klingt unwahrscheinlich, denn Luftfahrtabkommen werden nach internationalem Brauch zwischen Regierungen geschlossen, wie auch Überflug- und Landerechte nur von Regierungen erteilt werden.

Tatsächlich steht bei den Wienern jedoch gekränkter Stolz hinter der Entscheidung. Seit Jahren nämlich versuchte die AUA, Landerechte für Westberlins Flughafen Tempelhof zu bekommen. Doch die drei Westalliierten ließen Wien abblitzen. Nur ihre eigenen Gesellschaften Pan American, British European Airways und Air France dürfen Westberlin anfliegen. Nicht einmal die Deutsche Lufthansa hat dort etwas zu suchen.

Für die DDR ist die Eröffnung der Fluglinie nach Wien, ein Prestigeerfolg, der möglicherweise den Durchbruch im Linienverkehr mit Westeuropa und damit die Aufwertung des Ostberliner Flughafens Schönefeld bringt. Die Interflug hofft vor allem auch auf Reisende, die aus Westberlin stammen oder nach Westberlin wollen. Während der Verkehrszeiten fährt stündlich ein Bus zwischen Westberlin und Schönefeld; die schon jetzt fast reibungslose Abfertigung der Reisenden soll weiter vereinfacht werden.