Wirtschaftsministerium und Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit sind sich nicht eben grün; das ist alles andere als ein Bonner Geheimnis. Die Rivalitäten zwischen Karl Schiller und Erhard Eppler werden neuerdings auf unterer Ebene ausgetragen. So ist im Wirtschaftsministerium eine Kampagne im Gang, die Eppler als "Chefideologen" der SPD in Sachen Entwicklungspolitik abstempeln soll. Epplers persönlicher Referent Gunter Huonker meinte dazu: "Bisher zerplatzten alle Ideologie-Stempeleien auf die Person unseres Ministers wie schlecht geblasene Seifenblasen in der Luft."

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Aus Bonn-Duisdorf, der Residenz Karl Schillers, dringt nun die Kunde, der Ministerialdirigent Erich Elson habe kürzlich den Indern zwei Fabriken aus deutscher Kapitalhilfe für den Fall zugesagt, daß wenigstens eine Fabrik in Privathand komme. Außerdem habe Elson versucht, eine Anweisung der indischen Regierung zu torpedieren, bereits vergebene staatliche Kredite (der indischen Regierung) an indische Industriebetriebe in staatliche Beteiligung umzuwandeln. Seit das im Entwicklungshilfe-Ministerium bekannt wurde, reiben sich Epplers Ministerialbeamte die Hände: "Wenn das keine massive ideologische Beeinflussung ist."

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Zwei Bonner Beamte schienen sich auf das Spiel "Bäumchen, Bäumchen, Wechsel dich" eingelassen zu haben. Nachdem Dr. Hans Herbert Weber vom Bankenverband als Ministerialdirektor zu Finanzminister Alex Möller überwechselte, reichte Ministerialrat Werner Jentsch, Diplomvolkswirt im Wirtschaftsministerium, seinen Abschied ein. Er wird Nachfolger von Weber, beim Banken verband. Jentsch war schon einmal Webers Nachfolger; jener war nämlich vor seiner Tätigkeit beim Bankenverband im Wirtschaftsministerium Leiter des Referats für Konjunkturpolitik, das später Jentsch übernommen hatte. Die früheren kuriosen Konstellationen in der Konzertierten Aktion werden somit auch künftig bleiben.

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Windstille herrscht in Sachen Kuponsteuer. Wirtschaftsminister Karl Schiller hatte im Frühjahr groß angekündigt, diese Steuer werde beseitigt, weil sie das Kapitalzinsgefüge beträchtlich verzerre. Die Industrie wartet noch immer. Schiller hat zwar seine Schuldigkeit getan, er ließ eine entsprechende Vorlage erarbeiten, doch im Bundestag bzw. in den zuständigen Ausschüssen rührt sich nichts. Unter der Hand wird verbreitet: "Das schmort erst mal weiter. Wegen der sozialen Symmetrie."