Von Peter Grubbe

Vor fünf Jahren war Black Power ein Schlagwort. Heute ist es, auch außerhalb der Vereinigten Staaten, ein Begriff. Vor drei Jahren noch waren die Black Panthers in den Augen vieler Europäer eine Art Mau-Mau-Bewegung in Amerika, ein blutdürstiger schwarzer Geheimbund, der friedliche weiße Bürger terrorisierte und Verbrechen beging. Heute werden die "Schwarzen Panther" auch von den meisten derer, die sie hassen, als politische Gruppe anerkannt.

Die amerikanische Polizei hat die Organisation der "Schwarzen Panther" schwer angeschlagen. Viele ihrer Führer wurden getötet. Andere sitzen im Gefängnis, wieder andere sind ins Ausland geflüchtet. Aber für die schwarze Aufstandsbewegung in Amerika ist das nicht mehr entscheidend. Auch wenn es der Polizei gelingen sollte, die Organisation der Black Panthers vollends zu zerschlagen, wird der Aufstand weitergehen. Darüber sind sich fast alle Kenner Amerikas einig.

Die Wende kam vor knapp drei Jahren, im April 1968, als Martin Luther King ermordet wurde. Eldridge Cleaver, der "Informationsminister" der "Schwarzen Panther" schrieb dazu: "Die Kugel des Meuchelmörders hat nicht nur Dr. King getötet, sie beendete eine geschichtliche Epoche. Sie vernichtete eine Hoffnung, und sie zerstörte einen Traum."

Er schrieb diese Sätze in seinem "Requiem für die Gewaltlosigkeit". Sie sind Teil eines Nachrufs auf einen Menschen, aber zugleich auch Analyse der politischen Situation. Solange Martin Luther King lebte, hatten die Propheten der Gewalt unter den Schwarzen Amerikas nur eine sehr begrenzte Chance. Die überwiegende Mehrzahl der amerikanischen Schwarzen hoffte auf friedliche Reformen, Erst seine Ermordung öffnete den Anhängern der Gewalt die Tür zu den Massen.

Cleaver fand für den neuen Zustand die berühmt gewordene Formel: "Wir brauchen keinen Feldzug gegen die Armut. Wir brauchen einen Krieg gegen die Reichen." Diese Sätze entstammen einem anderen Aufsatz des nach Algerien geflohenen Schwarzen. Beide Aufsätze sind in Cleavers neuem Buch enthalten, das in Deutschland unter dem etwas unglücklichen Titel "Nach dem Gefängnis" erschienen ist.