Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC hat gegen neun Gesellschaften und zehn Privatpersonen ein Untersuchungsverfahren wegen illegalen Verkaufs von Wertpapieren eingeleitet. Unter den neun Gesellschaften. befindet sich auch King Resources Co. und Four Seasons Nursing Centers Inc., beides Gesellschaften, die mit Unterstützung deutscher Banken Anleihen aufgelegt haben, deren Zinsen sie jetzt nicht mehr zahlen können. Die SEC untersucht, inwieweit die Gesellschaften und Privatpersonen gegen die sogenannte Insider-Verordnung verstoßen haben.

Auch in Frankreich gibt es zur Zeit eine Insider-Affäre. Die französische Börsenkommission versucht zu klären, – woher die Kauforders kamen, die den Kurs der Cie-de-Mokta-Aktien in den Wochen, bevor Le Nickel den Mokta-Aktionären ein Übernahmeangebot machte, um etwa 30 Prozent nach oben getrieben haben. Im Gegensatz zur SEC kann die französische Börsenkontrollbehörde jedoch keine Sanktionen gegen die Verwendung von Insider-Informationen verhängen.

In der Bundesrepublik hat es bisher keine Insider-Regelung gegeben. Jetzt wird es anders. Im Zuge der im Gange befindlichen Börsenreform sollen sich die deutschen Insider verpflichten, aus den ihnen zugänglichen Kenntnissen und Informationen keinen eigenen Nutzen zu ziehen. Auch zum Vorteil Dritter darf dieser Personenkreis seine Informationen nicht ausnutzen. Wer diese Verpflichtung eingeht, hebt für die Untersuchungsinstanzen das Bankgeheimnis automatisch auf. Er muß seine Konten angeben und der Untersuchungskommisssion gegebenenfalls gestatten, die dort vor sich gegangenen Veränderungen zur Kenntnis nehmen zu dürfen.

Das alles geschieht auf freiwilliger Basis. Es kann aber kein Zweifel bestehen, daß – falls diese Regelung auf Ehrenwort nicht funktioniert – das Bundeswirtschaftsministerium versuchen wird, ein Insider-Gesetz durchzusetzen. Das ist legitim. Denn in einer Zeit, da immer mehr Arbeitnehmer für das Sparen in Aktien (auch über Investmentfonds) geworben werden sollen, hat der Staat die Pflicht, alle Mißbrauchsmöglichkeiten auszuschalten.

Allerdings bewegt sich diese "Aktion Saubermann" vorwiegend im theoretischen Bereich. Wer objektiv auf die vergangenen Jahre zurückblickt, wird kaum sagen können, daß die Ausnutzung von Insider-Informationen sozusagen ein "Krebsgeschwür" der deutschen Börsen ist. Selbst die argwöhnischen Kritiker des gegenwärtigen Banken- und Börsensystems wissen immer nur ein paar Fälle aufzuführen, in denen angeblich Insider-Informationen zu Lasten Dritter ausgenutzt worden sind. Deshalb braucht kaum jemand die neuen Insider-Richtlinien zu fürchten. Ob sie indessen geeignet sind, wie jetzt immer zu ihrer Rechtfertigung behauptet wird, das Mißtrauen breiter Bevölkerungskreise in die unübersichtlichen und auch weiterhin unübersichtlich bleibenden Börsenvorgänge zu beseitigen, möchte ich, meine verehrten Leser, bezweifeln.

Ich fürchte vielmehr, daß zumindest in der ersten Phase eine Welle von "Anzeigen" wegen Insider-Mißbrauchs auf die deutschen Börsen zurollen wird. Die Kommissionen (vorgesehen sind jeweils zwei Bankenvertreter und zwei Vertreter der Emittenten, die unter Vorsitz eines erfahrenen Richters tagen) werden wahrscheinlich in der Mehrzahl der Fälle zu dem Schluß kommen, daß die beanstandeten Vorgänge mit Insider-Mißbrauch nichts zu tun haben. Die Folge wird ein um sich greifendes Mißtrauen gegenüber diesen Kommissionen sein, und es wird heißen: "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!"

Nach den Richtlinien für Insider-Geschäfte in -deutschen Aktien gelten als Insider Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder börsennotierter Aktiengesellschaften, Anlageberater, auch wenn sie nicht in einem Kreditinstitut tätig sind, sowie in gewissen Grenzen auch Angestellte der Kreditinstitute, soweit sie mit dem Börsenhandel und mit der Kundenberatung etwas zu tun haben.