In Belgrad ist ein Minister zurückgetreten. Nikola Miljanic, einer der drei Stellvertretenden Ministerpräsidenten Jugoslawiens, als Finanzexperte und ehemaliger Gouverneur der Nationalbank im Kabinett für die Ausarbeitung des umstrittenen Stabilisierungsprogramms verantwortlich, hat seinen Hut genommen. Der Grund: Das Kabinett verwarf seinen Vorschlag, den Dinar abzuwerten.

Der Fall spiegelt die Spannungen in Titos Vielvölker- und Vielkulturenstaat wider. Eine tiefgreifende Umschichtung der Machtstrukturen ist im Gange. Die Dezentralisierung der einst im serbischen Belgrad straff gebündelten politischen und wirtschaftlichen Entscheidungszentren schreitet rasch voran. Wie weit die zentrale Staatsgewalt zugunsten der Teilrepubliken abgebaut werden soll, ist noch nicht im Detail festgelegt. Der Streit darüber entfacht die Interessengegensätze zwischen den unterentwickelten Südrepubliken einerseits und den reichen Kroaten und Slowenen andererseits.

In diesem Tauziehen war Miljanic nicht nur Experte, sondern als Kroate auch Partei. Sein Abwertungseifer mag kühler wirtschaftspolitischer Analyse entsprungen sein. Gleichzeitig kam er aber auch den schon seit langem angemeldeten Spezialwünschen der kroatischen Export- und Fremdenindustrie entgegen.

Die eigenwillige und freiwillige Demission Miljanics stellt in der Praxis komm, irischer Parteidiktaturen ein Novum dar. Führende Apparatschiks scheiden in Osteuropa sonst nur aus ihren Ämtern, wenn sie sterben oder abgehalftert werden. Wo im kommunistischen Machtbereich ein führender Politiker aus freien Stücken und nach freier Gewissensprüfung sich schadlos von seinem Amt zurückziehen kann, da wehen schon ganz kräftige Winde reformkommunistischen Wandels. A. K.