Der südkoreanische Außenminister empfiehlt deutschen Besuchern mit Vorliebe, sie sollten in der Bundesrepublik dafür werben, daß deutsche Unternehmer in Südkorea Kapital investieren. Die Neigung der Deutschen, Kapital oder Produktionsmittel auf der fernöstlichen Halbinsel südlich des 38. Breitengrades anzulegen, ist indes gering.

So hat es nahezu zwei Jahrzehnte gedauert, bis erstmals eine Delegation des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) auf einer ihrer Fahrten nach Japan in Korea zwischengelandet ist, und dies geschah erst in diesem Jahr. Ob diese Industrievisite allerdings zu einer Investierung deutscher Investitionen führen wird, ist mehr als fraglich. Ein BDI-Sprecher meinte: "Konkretes läßt sich schwer sagen."

Die bisherigen Investitionen privater Firmen lassen kaum den Schluß zu, als sei Korea den Deutschen als das bekannt, was es in Wirklichkeit ist – eine aufstrebende Industrienation des Ostens. Die privaten deutschen Direktinvestitionen zwischen 1962 bis Mitte 1970 betragen nur knapp drei Millionen Mark. Als ausländischer Investor steht die Bundesrepublik damit erst an siebter Stelle in der Skala privater Direktinvestoren. Die Vereinigten Staaten haben im gleichen Zeitraum mehr als das Hundertfache in Korea angelegt. Insgesamt investieren deutsche Unternehmen seit 1952 etwas mehr als acht Millionen Mark.

Das gesamte finanzielle Engagement der Bundesrepublik in Korea beläuft sich auf rund 820 Millionen Mark, von denen allerdings rund 700 Millionen als Anleihen oder langfristige Exportfinanzierungen über Bundesbürgschaften und Garantien abgesichert sind. Die deutsche Kapitalhilfe betrug im laufenden Jahr rund 100 Millionen Mark. Wer nach den Gründen für das Desinteresse forscht, erhält in Korea, aber auch in übrigen Ländern Asiens, meist zur Antwort: "Wo liegt schon Asien? Das ist für die meisten zu Weit weg."

Die Entfernung allein ist allerdings kein ausschlaggebender Grund. Viele deutsche Unternehmer fürchten vor allem, nach zwei Enteignungen könne eine dritte zum Verlust ihrer Auslandsanlagen führen, obgleich bilaterale Verträge für den Schutz deutscher Investitionsanlagen sorgen.

Mangelnde Informationen über die Investitionsmöglichkeiten und -bedingungen dürften ein dritter Grund für das Zögern deutscher Unternehmer sein, sich wirtschaftlich stärker als bisher in Südkorea zu engagieren, obwohl das Land erhebliche Anstrengungen unternommen hat, um ausländische Investoren mit lukrativen Konditionen ins Land zu locken. Nach den derzeit geltenden Gesetzen genießen fremde Investoren für fünf Jahre Steuerfreiheit. Danach werden sie für weitere drei Jahre nur zur Hälfte veranlagt. Betriebsausrüstungen wie Maschinen und Rohmaterial können, soweit sie als Teile der Investitionen angesehen werden, zollfrei eingeführt werden. Eine persönliche Einkommensteuer für ausländische Mitarbeiter wird nicht erhoben. Die koreanische Regierung garantiert überdies den freien Transfer von Gewinn und Kapital.

Anfang des Jahres verabschiedete das Parlament ein Gesetz, von dem sich die koreanischen Wirtschaftsplaner gleich zwei Vorteile erhoffen: die Steigerung ihrer Exporte und verstärkte Direktinvestitionen ausländischer Firmen. Das Gebiet der südkoreanischen Stadt Masan an der Küste wurde zur zollfreien Zone erklärt. Die Zollfreiheit gilt freilich nur für echte Exporte, für die Produktion von Gütern also, die nicht zur Deckung des Inlandbedarfs bestimmt sind.