In Bayern verlor die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Gabert, den niemand kennt, gegen einen Strauß, von dem man zuviel weiß. Aber verlor sie wirklich?

"Verlor? Nehmen Sie dieses Wort nie wieder in den Mund, wenn es um Politik geht. Sie machen sich nur unbeliebt", ermahnte mich der Polit-Stil-Berater Feigenblatt, bei dem ich mich erkundigte, wie man 1970 Wahlen verliert.

"Moralisch hat die SPD gewonnen. Wegen der menschlichen Qualitäten Gaberts. Außerdem sieht sich die Regierung durch Bayern in ihrer Ostpolitik bestätigt. Was wollen Sie mehr? Verloren werden Wahlen überhaupt nicht mehr. Der Verlierer in seiner traditionellen Form ist sozusagen verlorengegangen. Der letzte klassische Verlierer war Goldwater. Haben Sie je wieder von ihm gehört?"

Ich ging der Sache weiter nach: "Ist die Kunst, Wahlen zu verlieren, verlorengegangen?"

"Sie ist differenzierter geworden. Jetzt kommt es nur darauf an zu beweisen, daß man die Wahl nicht verloren hat. Selbst die Europa-Partei, die in Hessen nur 0,1 Prozent bekam, sah sich ‚in ihren Erwartungen bestätigt –‘. So wirds gemacht."

"Sah Wilson nicht zumindest wie ein Verlierer aus?"

"Ein gutes Beispiel. Es ist ein schöner Brauch, Niederlagen auf das falsche Wahlsystem zu schieben, in England also auf das Mehrheitswahlrecht. Das konnte Wilson nicht. Diesmal waren es die falschen Prognosen, die potentielle Labour-Wähler so in Sicherheit wiegten, daß sie gar nicht erst zur Wahl gingen."