Anmerkungen zum Geschäft des Rezensierens

Von Fritz Brühl

Leitsätze für die "erfolgreiche Anfertigung von Buchbesprechungen" gibt es nicht. Die Herren Kritiker würden sich das mit Recht verbitten. Das Buch muß für sie Ton in des Töpfers Hand sein – aber eben auch wieder nur in Grenzen; vom Buch möchte ja der Leser etwas erfahren und nicht so sehr vom derzeitigen seelischen Befund des Kritikers, von seinen Launen oder Aversionen.

Soll so ein Buch in einen Zusammenhang mit anderen Werken des Autors gestellt werden oder mit anderen Büchern des gleichen Stoffgebietes? Ja, aber das geschehe bitte nicht doktrinär; die Gefahr, daß der Kritiker dann nur seine Belesenheit zur Schau stellt, nicht aber das eben gelesene Buch, ist groß.

Ist eine genaue Inhaltsangabe der besprochenen Bücher nötig? Ja, in der Regel – aber keineswegs immer. Stil, Machart, einfach die "Façon de parier" und deren Würdigung können manchmal viel aufschlußreicher sein als die penible Wiedergabe der Kapitel.

Soll man mehrere Bücher in einer Besprechung vorstellen? Ja, schon damit ein Überblick über eine ganze Thematik entsteht.

Lohnt es eigentlich, mißratene Bücher in einer Besprechung anzuzeigen und selbst durch einen Verriß noch Werbung für sie zu treiben? Es lohnt gewiß dann, wenn auf diese Weise manchem Leser bedeutet werden kann, daß sein Geschmack der Verbesserung bedürftig sein könnte.