Fast vier Jahre lang beobachtete das Ehepaar Dennis und Judy Gahagan vom Pädagogischen Institut in London (im Rahmen eines Forschungsprogrammes) die Anfangsklassen von drei Londoner Volksschulen: Es ging um Häufigkeit und Dauer, während der die Schüler miteinander und mit dem Lehrer sprachen. Überraschenderweise ergab sich, daß die sechs- bis achtjährigen Schüler nur zu einem geringen Teil die Schulzeit dazu benutzten, miteinander oder mit ihren Lehrern zu sprechen. Zum größeren Teil blieben sie stumm.

Die Gahagans suchten im Laufe ihrer Forschungen nach immer neuen Möglichkeiten, um die stummen Schüler gesprächsbereiter zu machen. Endlich: als sie jedem Schüler ein Telephon zur Verfügung stellten, mit dem dieser jeden anderen Schüler im Klassenraum anrufen konnte, hatten sie Erfolg. Stundenlang telephonierten die Kinder miteinander, ohne daß ihr Gesprächsfluß abriß.

Nach zwei Jahren kindlicher Telephonitis berichteten die Gahagans von erstaunlichen Erfolgen. Die Telephonschüler konnten signifikant schneller, artikulierter, einfallsreicher und wortgewandter sprechen als eine gleichaltrige Kontrollgruppe, der keine Telephonapparate zur Verfügung gestellt worden waren. Durch das ausgedehnte Telephonieren hatten die Kinder wesentlich schneller die englische Sprache erlernt als Kinder, die mit herkömmlichen Methoden ihre Muttersprache erlernen mußten.

In ihrem Bericht über diese Studien schlagen die Gahagans vor, in allen Anfangsklassen derartige Telephonanlagen zu installieren. Sie verweisen dabei auch auf die alltägliche Beobachtung, daß viele Menschen am Telephon länger und zusammenhängender sprechen als im direkten Gespräch. Hans-Werner Prahl