Von Helmut R. Külz

Die Erinnerungswerke aus der Zeit der Weimarer Republik machen bereits eine stattliche Reihe aus, und es ist nicht ohne Reiz, sie miteinander zu vergleichen; die verschiedenartigsten Temperamente und Schreibweisen und vielfach auch ganz verschiedene Darstellungen und Urteile über die Ereignisse und Zeitabläufe treten uns entgegen. Trocken und fast nichtssagend schreiben etwa Luther und Geßler, am selbstgefälligsten Schacht; am lebendigsten und anschaulichsten schreibt Ferdinand Friedensburg. Zu den gewichtigsten Werken aber gehört das einstweilen letzte in dieser Reihe:

Heinrich Brüning: "Memoiren 1918–1934"; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1970, 680 S., 30,– Mark.

In vier Abschnitten (Politische Erfahrungen, Wirtschaftskrise, Vertrauenskrise, Auflösung des Rechtsstaats) führen uns die Erinnerungen durch die Jahre.

Verhältnismäßig schnell und kurz werden im ersten Abschnitt (140 Seiten) die elf Jahre vom Ende des Ersten Weltkriegs über die politischen Anfänge des Verfassers (Preußisches Wohlfahrtsministerium, Deutscher Gewerkschaftsbund, 1924 Zentrumsabgeordneter im Wahlkreis Breslau) bis zu seiner Betrauung mit dem Vorsitz der Zentrumsfraktion des Reichstags dargestellt.

Der Abschnitt "Wirtschaftskrise" behandelt ausführlich (270 Seiten) die Vorgeschichte seiner Berufung zum Kanzler und die ersten Kanzlerjahre bis zum Berliner Besuch Lavals und Briands im Herbst 1931;

der dritte Abschnitt ("Als Kanzler in der Vertrauenskrise") noch ausführlicher (185 Seiten), fast von Tag zu Tag, die letzten acht Monate der Kanzlerschaft Brünings bis zu seiner Entlassung im Mai 1932.