Johannes Gross, der – auf fliederrotem Papier – in dem Bildband der "Dreißiger Jahre" einen seiner lesenswerten, weil klugen Essays schrieb, meint dort über seine Rolle als Jahrzehnt-Chronist: Solche Betrachtungen stammten von einem Intellektuellen, "der die öffentliche Meinung als sein Feld betrachtet, sie öffentliche nalisiert und die Bilder der Zeitalter zeichnet oder doch wenigstens die Materialien für nachmalige Charakterdeutung liefert". Daran hat er sich in prägnanter Weise gehalten – wie auch Thilo Koch in dem Bilderbuch über die "Zwanziger Jahre" (in strikter Anlehnung an eine Fernsehserie zum selben Thema). Gross freilich holt, wie es seine Art ist, weiter aus, diagnostiziert historisch-soziologisch; Koch plaudert angenehm und zitiert viel. Beide Stilformen haben durchaus ihr Gutes. Die Texte sind überhaupt das beste an diesen Bänden. Die Bild-Collagen dagegen, auch der Druck, sind mißraten; sie eignen sich kaum zum Anschauen: entweder sind sie zu klein, zu undeutlich oder zu verspielt zusammengesetzt. Sie verwirren nur, wo die Texte klar und verständlich sind. "Die Dreißiger Jahre"; Dokumentationstexte von Richard M. Gusenberg, Gestaltung von Dietmar Meyer; mit einem Essay von Johannes Gross; 252 Seiten, über 400 Abbildungen; Verlag Ullstein, Berlin 1970, 28,– DM.

Thilo Koch: "Die Goldenen Zwanziger Jahre"; Gestaltung van Jürgen Seuss; Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion, Frankfurt 1970,172 S., 150 Abb., 28,– DM.