DIE ZEIT

Der Porno-Streit

Wie immer, wenn mehrere Sachverständige ihr Urteil abgeben, war das Ergebnis vorauszusehen: Jeder pickte sich das heraus, was er hören wollte, jeder sah sich in seiner Meinung (sprich Vorurteil) bestätigt.

Pokern um Berlin

Was bezweckte Rainer Barzel, als er die Bundestagsfraktion der CDU/CSU zur Sitzung nach Berlin bestellte? Es ist denkbar, daß er nur das gewachsene Recht ausüben wollte, im Westteil der alten Reichshauptstadt zu tagen.

Harakiri statt Umsturz

Japan wird heute im allgemeinen an Wachstumsraten, Wirtschaftspotenz und seinem Industrialisierungs-Koeffizienten gemessen. Vor diese Kulisse rauchender Schornsteine, riesiger Tanker und monumentaler Banken, die dem Japanreisenden geläufig ist, schiebt sich nun plötzlich das Bild des Dichters Mishima, der in der vorigen Woche nach alter Samurai-Weise Harakiri begangen hat.

Kein Recht auf Widerstand

Solange die derzeitige Regierung eine verfassungswidrige Politik betreibt, ruhen meine Pflichten als Soldat." Dies schrieb ein Oberleutnant d.

ZEITSPIEGEL

Der Sex- und Porno-Welle mittels eines Zuschlags zur Mehrwertsteuer beizukommen, wird in einer Eingabe vorgeschlagen, die der Petitionsausschuß des Bundestages erhalten hat.

Ablehnung in Samt und Seide

Der Berliner Jungabgeordnete Wohlrabe verkündete, was einige seiner Kollegen nur vorsichtig umschrieben, in kecker Unbekümmertheit: "Die Stimmung ist vollständig gekippt.

Die aus der Fraktions-Reihe tanzen

Der CDU-Abgeordnete Winfried Pinger ist über Nacht bekanntgeworden. Und ein einziger Satz genügte, um den Parlamentarier, den viele Fraktionskollegen bisher nur dem Namen nach kannten, ins unbarmherzige Rampenlicht zu rücken.

Angst vor der eigenen Courage

Als die CDU im Sommer den Entwurf zu einer Neufassung ihres Berliner Aktionsprogramms von 1968 vorlegte, sorgte sie für eine Überraschung.

Kein Mißtrauen gegen Brandt

Seine Amtsräume im Belgrader Arbeitsministerium sind oft verwaist. Der jugoslawische Außenminister Mirko Tepavac ist so häufig auf Reisen wie sein deutscher Kollege Walter Scheel, der ihn in der vergangenen Woche besuchte.

Mit verkrampften Lippen

Es war nicht Schweiß, es waren Tränen, die sich der Papst aus dem Gesicht wischte, als er nach seinem Gang durch eines der schlimmsten Elendsviertel der Erde wieder die klimatisierte Luxuslimousine bestieg.

Wolfgang Ebert:: Geheim-Dichter

Es wäre eine Sensation, wenn eines Tages herauskäme, daß die Chruschtschow-Memoiren tatsächlich von Chruschtschow sind. Vorläufig behauptet der Kreml, der CIA habe sie geschrieben.

Zwischen Ehre und Gewissen

Der Fall Geldner ist den Bonner Politikern an die Nieren gegangen. Sie suchen nach prophylaktischen Mitteln, um Ähnliches in Zukunft zu verhindern.

Pakistans erste Wahl

Für Pakistan beginnt in diesen Tagen eine Bewährungsprobe, deren Ausgang nicht nur für das Land selbst von weittragender Bedeutung ist.

Nur ein Etappensieg?

Eine der längsten Debatten im römischen Parlament ging am Dienstag im Morgengrauen zu Ende. Das Scheidungsgesetz wurde mit 319 gegen 286 Stimmen angenommen.

"Heißer Krieg" gegen Basken

Hinter den streng verschlossenen Türen eines Militärgerichtshofes in Burgos, der ehemaligen Hauptstadt Kastiliens, beginnt diese Woche der größte politische Prozeß seit den Säuberungsaktionen nach dem spanischen Bürgerkrieg.

Milliarden stehen auf dem Spiel

Die Reise Bundeswissenschaftsminister Leussinks in die Sowjetunion hat schon nach wenigen Wochen ein erstes Ergebnis gezeitigt: Am letzten Wochenende einigten sich Experten aus Bonn und Moskau, auf den Gebieten Plasmaphysik, Ionenforschung und Hochenergiephysik zusammenzuarbeiten.

Präsident mit Optimismus

Unter dem Klang schmetternder Trompeten wurde in Mexico City der neue Präsident Luis Echeverria in sein Amt eingeführt. Sechs Tage dauerte die Fiesta, das nationale Volksfest.

Dokumente der ZEIT

"Was Europa betrifft, so hat hier, wie Sie wissen, die Sowjetunion zusammen mit ihren Verbündeten im Warschauer Vertrag in den letzten Jahren große Anstrengungen zur Festigung des Friedens und der Sicherheit sowie zur Entwicklung der friedlichen Zusammenarbeit zwischen allen europäischen Staaten unternommen.

Jugoslawien: Einig mit Bonn

Bonn und Belgrad wollen schon in Kürze mit Verhandlungen über eine Wiedergutmachung für die Opfer nationalsozialistischen Unrechts in Jugoslawien beginnen.

Nato: Kein US-Abzug

Die Vereinigten Staaten werden bis zum 30. Juni 1972 keine Kampftruppen aus Europa abziehen. Wie US-Verteidigungsminister Laird am Vorabend mehrerer Konferenzen der Führungsgremien der Nato in Brüssel erklärte, beabsichtige seine Regierung für 1972 Mittel in bisheriger Höhe zum Unterhalt der in Westeuropa stationierten Verbände anzufordern.

Israel: Dayan siegte

Israels Verteidigungsminister Moshe Dayan hat sich im Jerusalemer Kabinett wieder einmal als der Stärkere erwiesen. Gegen den Einspruch von Außenminister Eban und den anfänglichen Widerstand der Ministerpräsidentin Meir wird er während seines Aufenthaltes in Washington offizielle Gespräche führen.

Ungarn: Größere Freiheit

Eine Fortsetzung des bisherigen Reformkurses wurde auf dem X. Parteitag der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (UASP) beschlossen, der in der vergangenen Woche in Budapest stattfand.

Bomben auf Nordvietnam

Unbeirrt durch die Kritik amerikanischer Senatoren hat die Regierung Nixon auch in dieser Woche in Nordvietnam zugeschlagen.

Barzel reist nicht mit

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Rainer Barzel, hat eine Einladung des Bundeskanzlers abgelehnt, zusammen mit den Vorsitzenden der beiden anderen Bundestagsfraktionen zur Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages mit nach Warschau zu fahren.

Fernostreise ohne Fortüne

Die neuntägige Papstreise nach Asien und Australien ist spektakulär. Schon vor der neunten und längsten Pilgerfahrt Papst Pauls VI.

Rempeleien unter den Richtern

Rudolf Wassermann, einer der profiliertesten Rufer im Streit um die Justizreform, kann nun doch den Stuhl des Frankfurter Landgerichtspräsidenten mit dem Präsidentensessel des Braunschweiger Oberlandesgerichts vertauschen.

Das Kreuz mit der Pastorin

Weihnachten steht vor der Tür, das Fest des Friedens. Vor der Tür der Simeon-Kirche in Hamburgs Stadtteil Bramfeld aber herrscht Unfrieden.

Watschen für den Nachwuchs

Während die Sieger zum großen Fingerhäkeln um die Regierungspfründe antraten, bliesen die Unterlegenen der Bayernwahl vom 22.

Sozialistische Nabelschau

Lehrgeld bezahlten die Jungsozialisten in Düsseldorf bei dem ersten Versuch, bundesweit Schrittmacherdienste für eine fortschrittliche Lehrlingsausbildung zu leisten: Der erste "offene" Lehrlingskongreß – offen für alle sachlich interessierten Gruppen – trug seinem Motto "Ausbildung statt Ausbeutung" nur in einem Punkte Rechnung: Die Ausbeute war gering.

Sigi Sommer:: Jetzt "pumpt" er nicht mehr

Leopold Waraschitz, der Mann mit der offenen Hand, die er nur dann gern schloß, wenn er das prickelnde Gefühl eines Hundertmarkscheins oder einer Dollarnote darin spürte, "Mister Please", wie er beim amerikanischen Teil seiner Kundschaft genannt wurde, und der nach Meinung einiger Außenstehender manchmal als billiger Bettler hingestellt wurde und deshalb auch "Schnorrerkönig" genannt wurde, ist tot.

Verhinderter ,,Panther-Sprung"

Freiheit für Bobby Seale" stand auf den Plakaten, mit denen am Dienstag nachmittag vergangener Woche die Ankunftshalle Ausland auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen geschmückt war.

Diktator mit Scheuklappen

Hat Stalin Hitlers Weg zur Macht bewußt gefördert – etwa, um eine proletarische Revolution in Deutschland zu beschleunigen? Kein Zweifel: dies ist eine der umstrittensten Fragen der Zeitgeschichte.

Warum Halder nicht handelte

10. 12. 39 – Der Oberbefehlshaber des Heeres kümmert sich um jeden kleinen Dreck: Disziplin, Alkohol, Strafen, Zeitungen, Propaganda, Kriegsmaler usw.

"Alles Lug und Trug"

Helmuth Groscurth: "Tagebücher eines Abwehroffiziers 1938–1940"; mit weiteren Dokumenten zur Militäropposition gegen Hitler, hrsg.

200 Landser schauten zu

10. 11. 1939 – Folgt Vernehmung des Gefr. Kluge vor versch. Zeugen: Am Samstag, dem 7. 10. 1939, hörte ich bei einem Rundgang durch die Stadt bei Gesprächen unter Kameraden, daß am Vormittag auf dem Judenfriedhof in Schw.

Brest – Rapallo – Barbarossa

Wenn es sich um ein Thema handelt, das von Fehleinschätzungen, Vorurteilen und "Ideologien" so stark belastet ist wie das der deutschsowjetischen Beziehungen, so stellt die ohnehin sehr schwierige Aufgabe höchste Anforderungen an die Fähigkeit der Autoren.

Fernsehen: Dieses Schwein

Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh: wie dies stirbt, so stirbt er auch." Der Text aus der Titelmusik zu Chabrols Film, den "Vier ernsten Gesängen" von Brahms, ist auch sein Inhalt: Das "Biest", ein kaltblütiger, zynischer, flüchtiger Automörder, muß sterben, und der Vater des totgefahrenen Jungen, wieder einer von Chabrols sympathischen Mördern, auch.

Pure Geste

G erry Schum, früher Berlin, jetzt Hannover, unter der Nummer 2 22 26 60 im Auto zu erreichen, gründete vor knapp zwei Jahren, was er eine Video-Galerie nannte, und konnte im April letzten Jahres mit einem vom Fernsehen ausgestrahlten Land-Art-Film seine erste Vernissage feiern (wobei sich eine Video- oder Fernseh-Galerie von einer anderen Galerie dadurch unterscheidet, daß die Vernissage Anfang und Ende der Ausstellung zugleich ist).

Sean O’Caseys "Der Stern wird rot" in Wuppertal: Klassenkampf-Comics

Es ist die Frage, ob die antinaturalistische Inszenierweise von Hans Neuenfels einem Stück wie O’Caseys "Der Stern wird rot" auf die Sprünge zu verhelfen vermag: denn das 1940, also im Londoner "Exil" geschriebene Oratorium auf die irische Arbeiterklasse benutzt Milieugenauigkeit und psychische Detailmalerei zumindest als Trampolin für seine mythologischen Konsequenzen: nämlich den Stern von Bethlehem zum roten Stern auf allen Demonstrations-Straßen einzufärben.

Richard Wagners "Rheingold" in Kassel: Wotans Zukunft hat begonnen

Endlich. Es lag seit langem in der Luft. Aber die Großen, die immer Ernstzunehmenden, die, von denen man eigentlich ständig etwas erwartet – sie hatten wohl zuviel zu verlieren, Prestige oder so etwas oder eben die verlieren, tigkeit; denn mit dem Gegenstand, um den es hier geht, spielt auch heute leichtfertig noch niemand ungestraft.

Alberto Ginasteras Oper "Bomarzo" in Kiel: In der Fremde zu Ehren

Das Buch war ein argentinischer Bestseller der sechziger Jahre; die Oper "Bomarzo", die daraus entstand, wird womöglich auch einer: Das Publikum ihrer europäischen Erstaufführung im Stadttheater von Kiel hüllte den Komponisten mehr als alle gefeierten Mitwirkenden ungestüm in Bravo-Ovationen, die der 54jährige Alberto Ginastera, gemeinhin als der (im Lande) führende argentinische Komponist bezeichnet, scheu und ungelenk entgegennahm.

Vom kalten Krieg

Am Sonntag, dem 29. November 1970, wurden in der Tagesschau die Störung des Berlin-Verkehrs und die Attacken der Vertriebenen gegen den Vertrag mit der Volksrepublik Polen behandelt.

Schlicht: Universitätsreform

Manche können das Wort "Universitätsreform" nicht mehr hören. Wenn wir es ihnen dennoch zumuten, dann deswegen, weil die Zukunft, von der alle so gern reden, nirgendwo so sehr entschieden wird wie an den Universitäten.

Eines Tages werde ich es tun

Die linksradikalen zengakuren-Studenten der brennenden Universität von Tokyo luden den Schriftsteller Yukio Mishima ein. Es war der 13.

Fernsehen – nah gesehen (5): Mehr Regeln, weniger Persönlichkeitskult

Alle wollen diskutieren. Und jeder stellt sich unter "Diskussion" etwas anderes vor. Da hat es das Fernsehen schwer. Die Schwierigkeiten der Sache werden, potenziert durch die Schwierigkeiten des Mediums und seiner Dramaturgie: Was sollen Bilder (meistens) älterer Herren, wo es auf Auskünfte und Argumente ankäme? Die erfolgreichste deutsche Fernsehdiskussion, Werner Höfers Frühschoppen, ist denn auch eine Rundfunkdiskussion; das Fernsehen ist dabei nur "angeschlossen".

David Ross muß viel einstecken

Natürlich gilt auch für die Fernseh-Unterhaltungsindustrie: Wenn man den Leuten lange genug saure Gurken verkauft hat, dann lechzen sie nach süßen Drops.

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