Von dem Mitte voriger Woche in San Sebastian entführten deutschen Wahlkonsul Eugen Beihl fehlt bisher jede Spur. Fünf Mitglieder einer baskischen Untergrundorganisation hatten den 59jährigen Kaufmann unmittelbar vor Beginn eines Prozesses verschleppt, der gegen 16 baskische Untergrundkämpfer letzten Donnerstag in Burgos eröffnet wurde.

Beihl hat in mehreren Schreiben an seine Familie und deutsche Amtsstellen in Spanien versichert, daß es ihm gut gehe. Er werde human behandelt. Angeblich verfolgt die Polizei mehrere „sichere Spuren“; doch ist es fraglich, ob der Konsul nicht schon über die Grenze in eine der französischen Baskenprovinzen gebracht worden ist.

Ziel und Hintergründe der Entführung sind unklar. Zwar haben die Entführer angedroht, Beihl dasselbe Schicksal wie den Hauptangeklagten in Burgos zu bereiten. Ein „Tauschgeschäft“ haben sie bisher aber nicht vorgeschlagen. Madrid hat in Wort und Tat demonstriert, daß es dazu auch nicht bereit wäre. Der traditionalistische (nationalistische und gewaltlose) Flügel der Basken-Bewegung ETA (Das Baskenland und seine Freiheit) hat sich von der Aktion seines sozialistisch-revolutionären Flügels distanziert.

Als Folge der Entführung hat Madrid den Ausnahmezustand über die Basken-Provinz Guipuzcoa (Hauptstadt: San Sebastian) verhängt und damit die innenpolitische Situation verschärft. In allen Teilen Spaniens kam es zu teilweise blutigen Protestdemonstrationen gegen das Verfahren vor dem Militärgericht. In weiten Teilen des Landes wurde auch ein Streikaufruf der Untergrund-Gewerkschaft befolgt. Auch im Ausland protestierten Tausende gegen den Prozeß in Burgos.

Gegen die 16 Basken – darunter Frauen und Priester – hat die Anklage sechsmal die Todesstrafe und zusammen 754 Jahre Gefängnis beantragt. Zwar werden sie verschiedener Gewalttaten und Verbrechen beschuldigt, aber die politische Absicht des Prozesses – die Zerschlagung der baskischen Autonomiebewegung – wird allein aus der Tatsache deutlich, daß vor einem Militärgericht verhandelt wird. Die Verteidigung bemühte sich auch von Anfang an, die politischen Motive der Angeklagten vorzubringen.

Das Gericht hat vorübergehend seine starre Haltung aufgegeben und der Verteidigung wenigstens erlaubt, die Frage der Folterungen zur Sprache zu bringen. Übereinstimmend sagten alle Angeklagten aus, daß sie ihre Geständnisse nach Folterungen abgelegt hätten. Die Beweiserhebung hat inzwischen auch begründete Zweifel an der Stichhaltigkeit mancher Anklagen geweckt.