DIE ZEIT

Die Mauer bleibt dicht

Viel Hoffnung auf ein Entgegenkommen Ost-Berlins hat der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz selbst nicht gehabt. Trotzdem ließ er beim Ministerrat der DDR anfragen, ob den West-Berlinern nicht die Möglichkeit gegeben werden könnte, zu Weihnachten und Neujahr ihre Freunde und Verwandten im anderen Teil der Stadt zu besuchen.

Polarisierung in Spanien

In Spanien gärt es. Der Prozeß von Burgos, die Entführung des deutschen Wahlkonsuls Beihl, die Aufhebung der bürgerlichen Rechte, die Demonstrationen, die hier und dort im Lande aufflackern – alles bezeugt Unruhe, Aufbegehren, krisenhafte Zuspitzung.

Arme SPD-Lehrer

Wenn nicht noch fünf Minuten vor zwölf die Vernunft ausbricht – und es sieht leider nicht danach aus –, dann werden unsere Kinder demnächst von CDU-regierten oder von SPD-regierten Lehrern erzogen werden.

Kollaps in Brüssel

Man scheut sich noch immer, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit revolutionären Vorhaben in Verbindung zu bringen. Dafür stand die EWG allzu lange – und auch zu Recht – in dem schnöden Geruch, sie sei in erster Linie nur ein Preistreiber für landwirtschaftliche Produkte und verwandle die westeuropäische Landschaft in eine kostspielige Ansammlung von subventionierten Butterbergen und Zuckerhügeln.

Wie lange noch bis zur Krise?

Kaum je zuvor war die Überzeugung, daß uns ein wirtschaftlich schwieriges, vielleicht sogar krisenreiches Jahr bevorsteht, so allgemein verbreitet wie in diesen Dezembertagen.

ZEITSPIEGEL

"Nichts wird mich abbringen von der Partnerschaft mit bewährten Freunden, und ich erwähne hier stellvertretend meinen Ehrenbürgerkollegen Lucius Clay.

Zwischen Basis und Partei

Wohin geht der Marsch der Jungsozialisten? Der erste Eindruck nach dem bremischen Bundeskongreß der 200 Juso-Delegierten aus der Bundesrepublik und Westberlin ist: Es bleibt alles beim alten.

Eine Ehrung – schwergemacht

Westberlin und Willy Brandt – das war jahrelang beinahe ein Begriff. Als Regierender Bürgermeister symbolisierte Brandt neun Jahre lang vor aller Welt den Widerstandswillen Berlins, und es war zu erwarten, daß ihm die Stadt dafür eines Tages Dank abstatten würde.

"Vielleicht haben Sie recht"

Der Augenblick war ungewöhnlich: Wladyslaw Gomulka, am 7. Dezember Gast des Bundeskanzlers auf Schloß Wilanow bei Warschau, setzte sich nach dem Essen, mit einigen Journalisten aus der Bundesrepublik an den Tisch.

Eiertanz in Ost-Berlin

Die SED steckt in einer ungewöhnlichen Zwangslage. Ihre Führungsspitze weiß, daß die Unterschriften Brandts und Scheels unter die Verträge mit Moskau und Warschau in allen Ostblockländern positiv bewertet worden sind.

London: Durch die Bank dafür

Die britischen Leitartikel zum deutsch-polnischen Vertrag wurden entweder nie geschrieben oder wanderten ungedruckt in den Papierkorb.

Paris: Ja – mit stiller Sorge

Frankreich ist für die deutsche Ostpolitik, weil sie der Entspannung dient und weil sie Wege einschlägt, die General de Gaulle schon vor Jahren empfohlen hat.

"Was Ulbricht nie getan hätte"

"Diese Geste jenseits des Protokolls an einem Ort, der mehr als andere mit "Hitlers Ausrottungspolitik‘ verknüpft war, mußte vielen Zuschauern am Fernsehschirm und Zeitungslesern unter die Haut gehen, und sie mußte erneut die Tatsache ins Bewußtsein zurückrufen, wie stark im Falle einer deutsch-polnischen Annäherung über Staatsräson und ideologische Unterschiede hinaus noch die dunklen Jahre der jüngsten Geschichte ins Spiel kommen.

Washington: Freundlich neutral

Richard Nixon und seine Ratgeber haben ohne erkennbare Einschränkung die Ziele der Bonner Ostpolitik begrüßt und gefördert: den Ausgleich der Interessen mit der Sowjetunion und ihren Verbündeten, die Schaffung eines tragbaren Verhältnisses zwischen Bundesrepublik und DDR, den mit beidem verbundenen Abbau von Spannungen und Krisenursachen in Mitteleuropa.

Zank um Triest

Kaum irgendwo in Europa ist so sichtbar bewiesen worden wie in Triest, daß sogar zwischen Ländern mit gegensätzlichen Systemen einst umstrittene Grenzen zu trennen aufhören, wenn sie nicht mehr angefochten werden.

Wer darf fort aus Polen?

Der Auftakt der Gespräche über die humanitären Erleichterungen, die der deutsch-polnische Vertrag mit sich bringen soll, ist vielversprechend verlaufen.

Prager Winter

Nach Meinung des Prager Parteiorgans Rude Pravo sollte das Plenum des Zentralkomitees vorige Woche "Lehren" aus der Vergangenheit ziehen, eine "Etappe" abschließen und der "Gesellschaft ganz eindeutig die Richtung weisen, die vorwärts führt".

Wolfgang Ebert:: Angst im Boom

Man sollte sich darüber mal den Kopf zerbrechen, warum so viele Menschen heutzutage den Verstand verlieren. Herr Hollerdau, zum Beispiel.

Kandidat der Mitte

Helmut Kohl, der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, hat in einem Interview bestätigt, daß er nach wie vor im Rennen um die Nachfolge Kiesingers liegt.

Ein Rückzug auf Raten

Israels Verteidigungsminister ist in Verteidigungsstellung gegangen. Noch vor drei Wochen erregte Moshe Dayan Aufsehen, als er mit unkonventionellen Vorschlägen zur Wiederaufnahme der Jarring-Gesprächsrunde an die Öffentlichkeit trat: Kein Raketenrückzug als ägyptische Vorleistung und außer neuen amerikanischen Waffenlieferungen keine zusätzliche Garantie Washingtons; dafür das Angebot an Kairo, auf beiden Seiten des Kanals die Truppen zurückzunehmen und die Wasserstraße für die internationale Schiffahrt zu öffnen.

Nixons Trauma

Richard Nixon will nicht als der Präsident in die Geschichte eingehen, der die erste Niederlage der Weltmacht Amerika zu verantworten hätte.

Justizskandal im Fall Birch?

Die Aussichten auf ein geruhsames Wochenende trübten sich bei den Frankfurter Justizbehörden bereits am Freitagnachmittag vergangener Woche: Zu diesem Zeitpunkt war klar geworden, daß das amerikanische Ehepaar Raymond und Birsen Birch – durch einen aufsehenerregenden Strafprozeß über Frankfurt hinaus bekannt – seine Wohnung im 30 Kilometer entfernten Babenhausen spurlos verlassen und damit etwas provoziert hatte, was dem Lokalblatt Frankfurter Neue Presse immerhin als "Skandal der Justiz" vorkam.

Staatsschutz allewege

Erst der Staatsschutz, dann die Grundrechte. So haben sich – in vereinfachter Kurzfassung – die Karlsruher Verfassungsrichter im Normen-Kontrollverfahren des Landes Hessen gegen die Telephon-Abhörgesetzgebung entschieden.

Pro Polizist - ein Demonstrant

Brenzlig wurde es erst am Abend in der Bonner Innenstadt. Da gerieten auf dem Marktplatz und in den angrenzenden Straßen Trupps der "Aktion Widerstand" und Gruppen der Gegendemonstranten doch noch aneinander, und unter ihnen befanden sich, besonders bei den Widerständlern, offensichtlich viele, die politische Meinungsverschiedenheiten nur mit der Handkante auszutragen pflegen.

Bericht aus der DDR: Verwelkter Lorbeer

Aus dichten Novemberwolken.zieht der Regen Strippen. Der graue Himmel reißt nicht auf, die tropfenden Äste der kahlen Bäume, die zusammengekehrten Haufen dunkelbraunen Laubes wirken trostlos auf diesem kleinsten Friedhof in Berlin.

Der Patriarch geht

Herbert Weichmann, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, hat seinen Abschied zum nächsten Frühsommer eingeleitet.

Knepper kämpft

Die "Akademie der Bildenden Künste" in Stuttgart, mit Klassen für Maler, Bildhauer, Grafiker, Architekten und Innenarchitekten: Viele Jahre lang der Ausbildungsort für jene Töchter und Söhne des Landes, deren Väter es sich leisten konnten, einen "Künstler" in der Familie zu dulden.

Brasilien: Gefahr für Bucher

Die brasilianische Regierung ist offenbar gewillt, den Forderungen der Entführer des Schweizer Botschafters Giovanni Bucher nicht nachzugeben.

Triest: Tito verstimmt

Zwischen Italien und Jugoslawien ist es um das Gebiet der Stadt Triest zu einer Verstimmung gekommen. Staatspräsident Tito sagte seinen für Mitte voriger Woche geplanten Italienbesuch in letzter Minute ab.

Nixon droht Nordvietnam

Präsident Nixons scharfe Erklärung vor der Presse, er werde unter bestimmten Umständen neue Bombenangriffe auf Nordvietnam befehlen (siehe auch Dokumente der ZEIT), ist in Moskau, Peking und Hanoi mit Drohungen und Warnungen beantwortet worden.

Vor neuem Nahostgespräch

Die Entscheidung der israelischen Regierung, wann sie wieder an den Nahost-Friedensgesprächen teilnimmt, wird für die nächsten Tage erwartet.

Dokumente der ZEIT

"Es hat in der Presse einige Spekulationen gegeben – und auch Nordvietnamesische Vorwürfe –, daß es keine Übereinkunft gibt, nach der Aufklärungsmaschinen seit Verkündung des Bombardierungsstopps über Nordvietnam fliegen dürfen.

Brüssel: Frankreichs "Nein"

Die Beratungen des EWG-Ministerrates über die Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion sind vorläufig gescheitert. Am frühen Dienstagmorgen trennten sich in Brüssel die Minister nach einer elfeinhalbstündigen Beratung ohne Ergebnis.

Türkei: Die Armee warnt

Die Türkei scheint einer ernsten politischen Krise entgegenzusteuern. Nach erneuten blutigen Unruhen zwischen rechts- und linksextremistischen Studentengruppen, die bisher 14 Todesopfer forderten, nach Bomben- und Terroranschlägen und regelrechten Gefechten zwischen der Polizei und fanatisierten Linksgruppen wird sich jetzt der "Nationale Sicherheitsrat" unter Vorsitz von Präsident Sunay mit der Lage befassen.

Die DDR bleibt hart

Auch das zwölfte Berlingespräch, zu dem sich die Botschafter der vier Mächte am letzten Donnerstag trafen, hat keine greifbaren Ergebnisse gebracht.

Polen: Blutige Unruhen

Zu blutigen Unruhen ist es am Montag und Dienstag in Polen gekommen. Nach Mitteilung von Radio Stettin ereigneten sich in Danzig, Gdingen und Zoppot schwere Zusammenstöße zwischen Zivilisten und der Miliz.

Siegfried Lenz:: Nachdenken über Warschau

Der deutsch-polnische Vertrag ist unterschrieben; es schneite zum Abschied in Warschau; hämisch vorausgesagte Euphorie hat sich bis zum Schluß nicht eingestellt, und kann sich auch jetzt nicht einstellen.

Der Dritte

Fast gleichzeitig mit Lietzaus fristloser Kündigung am Hamburger Deutschen Schau-, spielhaus flatterte die Einladung zur neuesten Premiere auf die Schreibtische auserwählter Kulturbeflissener.

Die Graphik-Welle rollt und rollt

Wer die neue Graphikmappe von Günter Grass noch zum Vorzugspreis von 800 Mark kaufen will, muß sich beeilen. Nach dem 1. Januar kostet sie 920 Mark.

Kunstkalender

Ihre Malerei sei der vehementeste Angriff auf unser Auge, unser Sehen, unsere Sehgewohnheiten, konstatiert Wieland Schmied, der Bridget Riley lange auf seinem Programm hatte und die Ausstellung dann dem Kunstverein und Manfred de la Motte überlassen mußte, weil die Kestner-Gesellschaft, bis der Umbau im nächsten Jahr fertig wird, pausiert.

Genie in Scheiben

Beethoven ist nicht mehr, was er. war. Einst hatten wir gelernt, seine Fünfte Symphonie sei so groß, weil sie so lapidar ist, so knapp, so konzentriert, so essentiell; auch weil ein "Schicksal", des Komponisten Taubheit, in sie hineinspielt, das nicht nur fürchterlich, sondern erhaben sei.

Jeder sein eigener Juror?

Das Jahr 1971 kann uns eine Sommersensation auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur bescheren. In jedem Herbst gibt nämlich das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit den "Erlaß über den Deutschen Jugendbuchpreis" des nächsten Jahres heraus, der dann im Sommer verkündet wird, und der Erlaß 1970 für 1971 ist außergewöhnlich.

ZEITMOSAIK

Die Hamburger Schulbehörde hat beschlossen: die Sowjetische Besatzungszone oder SBZ oder Sowjetzone oder Zone heißt in allen staatlichen Schulen der Hansestadt nunmehr auch ganz offiziell nur noch DDR.

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