Das Schicksal der 16 Basken in Burgos ist weiterhin ungewiß. Obwohl Gerüchte immer wieder wissen wollten, daß die Verkündung der Urteile, über die die fünf Militärrichter seit dem 9. Dezember hinter verschlossenen Türen beraten, unmittelbar bevorstehe, scheint Madrid gewillt, erst nach den Weihnachtstagen eine Entscheidung zu treffen. Damit bleibt auch das Schicksal des entführten deutschen Konsuls Beihl in der Schwebe, obwohl es Anzeichen gibt, daß seine Entführer ihn vorzeitig und bedingungslos freilassen wollen.

Die spanischen und europäischen Proteste gegen den Prozeß von Burgos haben zu einer für die Regierung in Madrid gefährlichen Polarisierung geführt. Bei Gegendemonstrationen für Franco taten sich als Wortführer extrem-konservative und nationalistische Kreise hervor. Ihrem Solidaritätsaufruf, der später auch vom Rundfunk und den staatlichen Gewerkschaften unterstützt wurde, folgten in Madrid am Donnerstag letzter Woche rund 100 000 Menschen. Sie demonstrierten für eine harte und kompromißlose Haltung sowie die Liquidierung der baskischen Autonomiebewegung ETA. Auf Plakaten wurden „rote“ und „politisierende Bischöfe“ beschimpft und der Vatikan aufgefordert, sich um die italienischen Ehen zu kümmern, statt „die Einheit Spaniens zu zerstören“.

Die Demonstration war, wie eine ähnliche Aktion in Burgos, ein Bekenntnis zu den Zielen der seit längerem entmachteten Falange: „Ein einziges Spanien gegen die ganze Welt.“ Das Bekenntnis für Franco verband sich mit Protesten gegen die katholisch-konservative Laienbewegung Opus Dei, der die meisten Regierungsmitglieder angehören oder nahestehen und die von den extremen Konservativen als technokratisch und politisch liberal abgelehnt wird.

Obwohl Franco in einer Ansprache versuchte, die fremdenfeindlichen und hysterisch antisozialistischen Parolen in ein Bekenntnis zur spanischen Einheit umzudeuten und sich gegen die „feindselige Berichterstattung“ des Auslands wendete, bleibt die Regierung gefährdet.

Sie ist gespalten; die Militärs treten für Härte, die Zivilisten für eine Begnadigung der Angeklagten von Burgos ein. Auf einer ungewöhnlich langen Kabinettssitzung in Madrid konnte am Wochenende offenbar keine Einigung erzielt werden. Wie es heißt, befürwortet auch Franco eine milde Behandlung der Angeklagten.

Auch die Cortes, das spanische Parlament, haben noch nicht zu einer einheitlichen Haltung gefunden. Rechtsgerichtete Kräfte hoffen auf eine Regierungsumbildung mit stärkerer Beteiligung der gemäßigten Falangisten.

Nicht abzusehen sind die Folgen einer Ankündigung vom Wochenende, daß sich die spanischen Bischöfe um ein neues Konkordat bemühen. Das 1953 abgeschlossene Abkommen schuf jene enge Verbindung von Kirche und Staat, aus der sich der Klerus jetzt offenbar lösen möchte.