Das treffendste Attribut des Jahres 1970 heißt: "Jahr der Entführungen und des Terrors." Achtzehn Menschen, zumeist Diplomaten fremder Staaten, wurden von politischen Minderheiten oder Oppositionsgruppen entführt. Vier Menschen wurden ermordet, als sich die Regierungen weigerten, den Forderungen der Entführer nachzugeben. Unter ihnen erregte der Fall des deutschen Botschafters in Guatemala, Karl Graf von Spreti, das größte Aufsehen. Sinn- und zwecklos war auch der Mord an dem Arbeitsminister der kanadischen Provinz Quebec, Pierre Laporte, der von frankokanadischen Separatisten entführt und umgebracht wurde.

Glück im Unglück hatten andere Diplomaten: der deutsche Botschafter in Brasilien, Ehrenfried von Holleben, (ausgetauscht gegen 40 Häftlinge), der britische Handelsbeauftragte in Kanada, James Cross (freigelassen gegen die Ausreise von sieben Separatisten) und der deutsche Wahlkonsul in San Sebastian, Eugen Beihl (bedingungslos freigelassen von der baskischen Autonomiebewegung ETA).

Eine neue Variante des Terrors gegen Unbeteiligte praktizierten arabische Freischärler. Weltweites Aufsehen – und auch scharfe Gegenmaßnahmen – riefen sie im September mit der Entführung von drei westlichen Verkehrsmaschinen nach Serka/Jordanien hervor. Die drei Maschinen wurden gesprengt; ebenso ein nach Kairo entführter Jumbo-Jet. Ein Anschlag auf eine israelische Maschine mißlang. Die letzten der in Jordanien festgehaltenen 427 Passagiere wurden erst dreieinhalb Wochen später entlassen. Neben diesen Aktionen fielen die restlichen 53 "klassischen" Flugzeugentführungen (davon der Großteil nach Kuba) kaum ins Gewicht.