1970 war ein Jahr großer Katastrophen und Unglücke. Über 310 000 Mensen verloren ihr Leben bei Überschwemmungen, Erdbeben, Flugzeugabstürzen, Bränden, Schiffsuntergängen, Wirbelstürmen und Lawinenunglücken – nicht gerechnet die bis heute unbekannte Zahl der Hungertoten in Biafra nach dem Ende des Bürgerkriegs.

Die größte Katastrophe traf Ostpakistan. Flutwellen von sechs Meter Höhe überschwemmten im November Inseln und Küstenteile im Delta von Ganges und Brahmaputra. Sie rissen fast 200 000 Menschen mit sich; Zehntausende starben noch an Seuchen, Verletzungen, Krankheiten und Hunger, weil die Organisation der weltweiten Hilfe an bürokratischer Unfähigkeit im Lande scheiterte.

Im Mai forderte ein Erdbeben in Peru fast 50 000 Tote. Überschwemmungen und Erdrutsche behinderten die Rettungs- und Bergungsarbeiten für Wochen. Auch, hier setzte eine weltweite Rettungsaktion ein. 2000 Menschen fanden den Tod, als im März ein Erdbeben den türkischen Ort Gediz fast völlig zerstörte.

Auch die Zivilluftfahrt wurde von von Verlusten betroffen. Bei den sechs schwersten Abstürzen starben allein 558 Passagiere und Besatzungsmitglieder. Das größte Zugunglück forderte im Februai bei Buenos Aires 236 Tote. Bodenloser Leichtsinn und Fahrlässigkeit trugen die Schuld an dem Tod von 145 jungen Menschen, die in einem Tanzlokal bei Saint Laurent du Pont in Frankreich verbrannten. 90 indische Kinder ertranken, als im September eine Fähre auf dem Krishna-Fluß kenterte. Eine Schnee- und Erdlawine verschüttete im April ein Kindersanatorium bei Sallanches: 72 Opfer wurden getötet.

Fast noch mehr als die Katastrophen des Jahres 1970 erregte die Weltöffentlichkeit jene möglichen Katastrophen der Zukunft, die sich heute abzeichnen. "Sterbende" Flüsse, Verseuchung des Meeres. Vergiftung von Natur und Lebensmitteln sowie Luftverschmutzung bis an die Grenzen des Erträglichen lassen neue Katastrophen möglich erscheinen, neben denen die Schrecken der Naturkatastrophen zu verblassen drohen. Unter dem Begriff "Umweltschutz" wurde zum ersten Male weltweit und leidenschaftlich diskutiert, wie sich der Mensch davor bewahren könne, von den Folgen seiner eigenen Technik umgebracht zu werden.