Die Außenpolitik der Bundesrepublik stand, wie Bundeskanzler Brandt schon in seiner Regierungserklärung angekündigt hatte, 1970 unter dem Zeichen der Verhandlungen und Verträge mit den östlichen Staaten und Nachbarn.

Am 14. Januar schlug Brandt der DDR zweiseitige Gespräche vor. Knapp einen Monat später stimmte Ostberlin zu, verknüpfte seine Zustimmung sofort mit der Forderung nach völliger Gleichberechtigung und völkerrechtlicher Anerkennung der DDR durch Bonn. Die kompromißlose Haltung zeigte sich bald in der Diskussion um den Reiseweg Brandts nach Ostberlin: die Anreise über die "Selbständige Einheit Berlin" wurde von der SED als Provokation abgelehnt.

Beide Seiten einigten sich dann auf die thüringische Stadt Erfurt, wo sich am 19. März zum erstenmal die beiden deutschen Regierungschefs trafen. Das mehrstündige Gespräch brachte keine Annäherung der Standpunkte.

Ebenfalls ohne praktische Ergebnisse verlief das zweite innerdeutsche Treffen am 21. Mai in Kassel. Die östliche Delegation weigerte sich, auf die von der Bundesregierung vorbereiteten 20 Punkte einzugehen, über die nach Bonns Vorstellungen Verhandlungen möglich und wünschenswert seien. Das Treffen wurde überschattet von rechtsradikalen Demonstrationen.

Trotz der mageren Bilanz schlugen beide Seiten die Tür zu weiteren Gesprächen nicht zu. Sie vereinbarten aber eine "Denkpause". Der innerdeutsche Dialog wurde erst am 27. November und 23. Dezember mit Unterredungen der beiden Staatssekretäre Bahr und Kohl wieder aufgenommen.

Die ersten Besprechungen über einen Gewaltverzichtsvertrag mit der Sowjetunion führte Bahr Ende Januar in Moskau. Sie zogen sich bis Mitte des Jahres hin und wurden von der Opposition heftig kritisiert. Sie warf – nach vorzeitiger Veröffentlichung der Texte – der Regierung vor, zwei Bedingungen nicht genügend verankert zu haben: den Vorbehalt einer möglichen friedlichen Wiedervereinigung und den Friedensvertrag-Vorbehalt der westlichen Alliierten. Am 12. August unterschrieben Brandt und Kossygin in Moskau den deutsch-russischen Vertrag, der in der ganzen Welt als bedeutsamer Schritt zum Frieden und zur Entspannung gewürdigt wurde.

Der Vorwurf der Opposition, die Regierung habe mit der Anerkennung bestehender Grenzen auf deutsche Rechte und Vorbehalte verzichtet, verstärkte sich noch bei der Diskussion um den deutschpolnischen Vertrag. Die erste der sechs Gesprächsrunden zwischen Bonn und Warschau hatte am 5. Februar begonnen. Die Unterhändler Duckwitz und Winiewicz mußten einen Kompromiß finden zwischen der polnischen Forderung nach bedingungsloser Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und dem für Bonn wichtigen Vorbehalt, daß eine endgültige Grenzanerkennung erst in einem Friedensvertrag erfolgen könne. Eine weitere Komplikation ergab sich aus dem Bonner Wunsch, humanitäre Erleichterungen für die in Polen lebenden Deutschen zu erreichen, dem Warschau schließlich entgegenkam.

Am 7. Dezember unterzeichneten die Regierungschefs Brandt und Cyrankiewicz den Vertrag in Warschau. Obwohl sie heftige Kritik an dem Vertrag übte, hat die Opposition seine eindeutige Ablehnung noch nicht ausgesprochen. Sie will ihr Urteil weitgehend davon abhängig machen, welche Erfolge bei den Berlin-Gesprächen erzielt werden.