Trotz kriegerischer Auseinandersetzungen und weltweiter Spannungen war 1970 dennoch das Jahr der Verhandlungen. Für alle Krisen wurden diplomatische Lösungsversuche eingeleitet oder weitergeführt.

In Paris setzten die Beteiligten am Indochina-Konflikt ihre Gespräche fort. Auf fast 100 Sitzungen konnte bis jetzt kein Fortschritt erzielt werden, da keine Seite Kompromißbereitschaft zeigte. Hanoi beharrt auf seinen alten Forderungen, die Saigon strikt ablehnt. Washington durchkreuzte die Glaubwürdigkeit seines "Vietnamisierungsprogrammes" durch den Einmarsch nach Kambodscha und weitere Bombenangriffe auf Nordvietnam.

Am 7. August schwiegen am Suezkanal die Waffen, vorerst für 90 Tage, dann noch einmal um drei Monate verlängert. Die anschließenden Friedensgespräche unter Vermittlung des UN-Beauftragten Janring gerieten bald ins Stocken, da Israel Ägypten Verletzungen des "Standstill" vorwarf. Aber Jerusalem mußte dem amerikanischen Druck, nachgeben; 1971 wird es wieder an den Gesprächen teilnehmen. Die zum Kampf drängenden Palästinenser unterlagen im jordanischen Bürgerkrieg.

Moskau und Washington setzten, trotz heftiger "Klimaschwankungen", ihre Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT) fort. Nach der dritten Runde Ende des Jahres zeichneten sich erste, wenn auch noch minimale, Übereinstimmungen ab.

Nach 16 Jahren Pause konferierten die vier Siegermächte wieder über Berlin. In zwölf Sitzungen seit dem 26. März wurde in Umrissen eine Berlin-Regelung deutlich, wobei die Sowjetunion nicht das Entgegenkommen bewies, das nach Unterzeichnung des Moskauer Vertrages erhofft worden war.

Fast im verborgenen blieben die Kontakte mit der Volksrepublik China. Die Verhandlungen zwischen Moskau und Peking erbrachten eine Milderung der ideologischen Gegensätze und ließen Teilabkommen möglich erscheinen. Im Januar nahmen Peking und Washington ihre Botschaftergespräche in Warschau wieder auf. Eine Verbesserung des politischen Klimas deutete Washingtons revidierte Haltung zu einem UN-Beitritt Pekings an. Peking, von Italien und Kanada anerkannt, trat aus der außenpolitischen Isolierung heraus und schwächte seine Ansprüche gegenüber Nationalchina ab.