Von Christopher Driver

Die letzten Wochen des alten Jahres, als es in London finster wurde und die Elektrizitäts-Arbeiter streikten, brachten einen längst vergessenen Vorrat an Vorkriegs-Wachskerzen aus dem Küchenschrank zutage, dem Kulturfreund jedoch wenig Aufmunterndes.

Die mit viel Geschick ausgeleuchtete Ausstellung einer Kunstgalerie fiel in totale Finsternis, gerade als ich die Eingangstür erreichte. Und sogar ein Abend zu Hause bei sonderbar gestörtem Fernsehbild und einer Schallplatte, die plötzlich stehenblieb, war etwas unbefriedigend. Die Szene war wie geschaffen für Haydns "Abschieds-Symphonie", wo sich, original, die Musiker mit brennenden Kerzen in der Hand davonschleichen und sie nacheinander ausblasen. Aber Konzert-Programme richten sich selten nach dem, was Journalisten unter Aktualität verstehen.

Für Englands Kunstliebhaber sind die Lichter im metaphorischen wie im wörtlichen Sinne erloschen. Jede neue Regierung greift zu Beginn gern zu ein paar Sparmaßnahmen, um die Wähler vorsichtig auf die riesigen Beträge vorzubereiten, die sie später ausgeben will, und auch Mr. Heaths konservative Regierung machte da keine Ausnahme. Sie hat entschieden, den Rat abzuschaffen, der die Verbraucher vor wirtschaftlichen Ausbeutung schützen soll, und Eintrittsgelder für die staatlichen Kunstgalerien und Museen einzuführen. Die davon erwarteten Einnahmen sollen etwa anderthalb Millionen Pfund betragen – das reicht gerade zur Finanzierung von zwei Kilometern Autobahn.

Natürlich waren die britischen Politiker auch schnell mit dem Argument zur Hand, daß in fast ganz Europa für den Besuch staatlicher Kunstsammlungen Eintritt verlangt werde. Erstaunlich, daß der neue Kunstminister Lord Eccles, der für die Entscheidung verantwortlich ist, ein hochkultivierter Mann ist, der Bilder und Bücher sammelt statt, wie die meisten seiner Kollegen, nur Direktorenposten. Erstaunlicher noch war einer seiner Gründe für die Einführung von Eintrittsgeldern: daß zu viele Menschen größere Ausstellungen besuchten und daß die Scharen von Schulkindern hinderlich seien für diejenigen, die stehenbleiben und betrachten wollten.

Erst nach einiger Zeit fanden sich die hauptsächlich betroffenen Museums-Direktoren und Künstler zu einem Angriff gegen den Plan zusammen, den sie jetzt schlicht "Bildungssteuer" nennen. "Man sollte soviel Widerstand wie möglich mobilisieren" (Henry Moore) – "Es ist eine Schande, eine unserer wenigen kostenlosen Einrichtungen abzuschaffen, besonders, wenn es sich um ein beliebtes Besuchsziel vieler Familien handelt: Sie werden einfach wegbleiben" (ein Direktor aus der Provinz) – "Keine Sonderregelungen, ob Saison- oder Dauerkarten, würden etwas daran ändern, daß einer unbekannten Zahl von Besuchern der regelmäßige und enge Kontakt mit den Galerien unterbrochen wird... Die Entscheidung steht in völligem Gegensatz zu dem Geist, der diese großen Institutionen über Generationen hinweg geleitet hat" (das Tate-Kuratorium).

Die Entscheidung ist jetzt wahrscheinlich, nicht mehr rückgängig zu machen, denn zu viel politisches Prestige ist hier schon investiert worden. Selbstverständlich ist sie weniger bedeutsam als die gleichzeitige Entscheidung der Konservativen, Waffen nach Südafrika zu verkaufen. Aber sie hinterläßt das gleiche unbehagliche Gefühl, das liberale England komme schrittweise unter den Hammer.