Von Robert Neumann

Ein armer Jude auf dem Sterbebett: "Da sagen mir alle Leute, ‚gut, diesseits haben Sie es nicht leicht gehabt, Herr Kohn, aber jetzt kommen für Sie die Freuden des Jenseits‘! Laden möcht’ ich, wenn sich herausstellt, es gibt gar keines."

Etwas von der ambivalenten Tragik dieser Anekdote hat auf jeden einzelnen Beitrag des Buches

"Vorletzte Worte – Schriftsteller schreiben ihren eigenen Nachruf", herausgegeben von K. H. Kramberg; Verlag Bärmeier & Nikel, Frankfurt; 292 S., 18,– DM

abgefärbt. Von einem Verleger aus dem Blauen daraufhin angesprochen, "jetzt schreiben Sie mal Ihren eigenen Nekrolog", reagiert jeder auf seine besondere Weise traumatisch – und dazu noch verschieden je nach der augenblicklichen Phase des manisch-depressiven Zirkels, in dem er literarisch Professionelle lebenslänglich rotiert. Fünfundvierzig Beiträger – schade, daß die Absagebriefe der Neinsager nicht mit dabei sind, bis auf einen, der der kürzeste Beitrag ist, von Wolfdietrich Schnurre: "An den Verleger. Gemessen an der Trauer über mein Ableben, bin ich leider nicht in der Lage, Ihnen mehr als diese besitzenden Zeilen zu schreiben."

Wie sehen die anderen ihr eigenes Image – welches Gepäck hoffen sie mitnehmen zu können auf große Fahrt?