Von Joachim Schwelien

Washington, im Dezember

Gleichlaufend mit dem Abzug amerikanischer Truppen aus Vietnam vollzieht sich eine allgemeine Verminderung der konventionellen Streitkräfte Amerikas. Noch im Frühjahr 1969 standen 545 000 Soldaten in Vietnam; bis zum 1. Mai 1971 sollen es nur 284 000 sein. Die heimkehrenden Verbände werden zum großen Teil aufgelöst, genauso wie viele Einheiten, die Zug um Zug aus Südkorea und Japan, von den Philippinen und aus Thailand abgezogen werden.

Die Vereinigten Staaten nehmen in allen Teilstreitkräften eine ganz beträchtliche Verminderung ihrer "general purpose forces" vor, deren Umfang im befreundeten Ausland kaum zur Kenntnis genommen wird. Das Pentagon betreibt die Reduzierung absichtlich ohne laute Fanfarenklänge, weil die Öffentlichkeit in den Nato-Ländern sonst die Frage aufwerfen könnte, warum Washington von seinen Verbündeten noch immer einen möglichst hohen Verteidigungsbeitrag wünscht, während die USA im Begriff sind, ihre eigenen stehenden Streitkräfte beträchtlich zu verringern.

Das Tempo dieser Maßnahmen läßt sich an Zahlen ablesen. Von einem Höchststand von über 3,5 Millionen Mann gehen die USA bis zum Ende des Haushaltsjahres 1971 (Ende Juni 1971) auf 2,9 Millionen Mann herunter. Über 632 000 Soldaten werden bis dahin eingespart.

Für die Teilstreitkräfte ergibt sich im Vergleich zu 1968 gegenwärtig folgendes Bild:

Die Marine hat inzwischen 286 überalterte Einheiten außer Dienst gestellt und verfügt zur Zeit über 711 Schiffe, von ihnen sind 359 im Atlantik und im Mittelmeer, 352 im Pazifik und in asiatischen Gewässern stationiert. Hierdurch ist der Schiffsbestand etwas verjüngt worden, bleibt aber im Vergleich zu der schnell anwachsenden sowjetischen Marine noch weit von dem angestrebten Ziel der vollen Modernisierung entfernt.