Im Bundesverteidigungsministerium wird ein geeigneter Techniker gesucht, der dem neuen Präsidenten des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB), Günther Rabus, mit technologischen Bundeswehrkenntnissen zur Seite stehen soll. Im Gespräch ist der Diplom-Ingenieur und Brigadegeneral Dietrich Wilckens. Wie bekannt wurde, wäre fast ein Industriemanager Präsident in Koblenz geworden, und zwar der Vorstandsvorsitzende von Rheinstahl-Hanomag in Hannover, Dr.-Ing. Hans Ludwig Höckel. Der Hannoveraner Industrieboß bestätigte: "Ich bin von Herrn Mommsen angesprochen worden und habe auch mit dem Minister Schmidt ein Gespräch geführt."

Hockel wollte allerdings keinen Dauerjob beim BWB. Er wäre nicht abgeneigt gewesen, den Posten auf Zeit zu übernehmen, um das Amt nach industriellen Gesichtspunkten umzugestalten. Höckel: "Ich hätte das als nationale Aufgabe angesehen. Dazu hätten freilich auch gewisse Mindestvorstellungen über die Gehaltshöhe erfüllt werden müsen. Zwar wäre Hockel durchaus bereit gewesen, seine Gehaltswünsche zu reduzieren", dennoch wäre er wohl für die Bundeskasse zu teuer gewesen. Der neue Präsident, Günther Rabus, erhält monatlich 5000 Mark. Befremden löste eine Personalentscheidung von Innenminister Hans-Dietrich Genscher aus. Als sogenannten "Reisemarschall" schicke Genscher den Regierungsrat und FDP-Mitglied Christian Fischer-Dieskau, Neffe des berühmten Kammersängers (lyrischer Bariton), zur Nato nach Brüssel. Fischer-Dieskau vertritt cort den Innenminister. In anderen Bonner Ministerien und auch im Personalrat des Innenministeriums nahm man Anstoß. Es sei sehr ungewöhnlich, nur einen Regierungsrat in die Nato-Zentrale zu entsenden. Andere Ressorts, vor allem die großen, schickten mindestens einen Regierungsdirektor, häufig sogar einen Ministerialrat zur Nato. "Das ist doch wieder bloße Parteipolitik."

Hans-Dietrich Genscher konnte sich über derartige Ansichten nur wundern: "Mir ist ein Mann mit Erfahrungen lieber als einer mit hohem Dienstrang. Außerdem habe ich Herrn Fischer-Dieskau so rechtzeitig nach Brissei geschickt, daß er sich sieben Monate lang einarbeiten kann, ehe er offiziell die Nachfolge des derzeit in Brüssel amtierenden Ministerialrats übernimmt." Entscheidend sei vor allem gewesen, daß Fischer-Dieskau im Ausland studiert habe, fließend Englisch und Französisch spreche und außerdem mehrere Jahre in internationalen Organisationen tätig war. Genscher: "Er hat Erfahrungen, die nicht jeder besitzt."

Eine weitere Personalentscheidung Genschers führte dazu, daß die Freidemokraten in Bonn nicht mehr länger auf ihren bewährten und seit einem Jahr entbehrten Sozialpolitiker Kurt Spitzmüller zu verzichten brauchen: Der Innenminister fand endlich einen Weg für die Rückkehr Spitzmüllers ins Parlament. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Rutschke, Verwaltungsjurist und Regierungsrat a. D., wird sein Parlamentsmandat gegen einen Posten im Innenministerium eintauschen. Rutschke, der sich seit Jahren mit Vertriebenen- und Kriegsversehrtenfragen im Parlament beschäftigt hat, wird als Ministerialdirektor die Abteilung für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsbeschädigte übernehmen. Er tritt damit die Nachfolge von Staatssekretär a.D. Dr. Paul Nahm an. Möglicherweise wird demnächst ein weiterer Freidemokrat, der 1969 wegen des knappen Stimmenergebnisses der FDP nicht ins Parlament einzog, nach Bonn zurückkehren, der Götz-Nachfahr Gustav Freiherr von Gemmingen, dessen Spezialgebiet die Entwicklungspolitik ist. Der Freiherr, der getreu seinem Ahnherrn selten ein Blatt vor den Mund nimmt, könnte ins Parlament einziehen, wenn die FDP-Abgeordnete Dr. Emmy Diemer-Nikolaus für ein hohes Richteramt in Karlsruhe benannt wird. Der FDP-Abgeordnete Kurt Jung "So ganz ausgeschlossen ist das nicht."

Gemmingen wäre der dritte FDP-Politiker aus dem Raum Baden-Württemberg, der über die Landesliste in den Bundestag nachrücken würde. Vor ihm war bereits als Nachfolger für den nach Brüssel weggelobten Professor Ralf Dahrendorf der Abgeordnete Georg Gallus in den Bundestag aufgerückt. Die Bonner Koalition erhielt damit eine weitere Stütze durch "die zuverlässigen Schwaben". Dagegen fürchtet die FDP-Fraktion ein Nachrücken von der hessischen Landesliste. Nächster Aspirant für die Nachfolge eines eventuell ausscheidenden Abgeordneten aus Hessen ist nämlich der erzkonservative Freidemokrat Wilhelm Alexander Menne, Vorstandsmitglied der Farbwerke Hoechst. "Nachdem wir Mende und Zoglmann los sind, hätten wir dann schon wieder so ein Kuckucksei im Nest", sinnierte ein Freidemokrat.

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Der neue Organisationsplan des Entwicklungsministeriums hat unter Minister Erhard Epplers Mitarbeitern Anklang gefunden. Nur mit den räumlichen Verhältnissen des Ministeriums sind die Entwicklungshelfer äußerst unzufrieden. Die Abteilungen sind, in Bonn auf insgesamt acht verschiedene Häuser verteilt. BMZ-Landwirtschaftsreferent Klaus Lampe: "Wenn ich verschiedene Termine mit Kollegen aus dem Haus habe, muß ich mir immer erst einen Fahrplan zusammenstellen." Der Minister ist über die Raumnot seines Hauses selbst nicht glücklich und forscht bereits seit langem nach einer Geldquelle für einen Neubau. Doch Finanzminister Alex Möller hält seinen Kabinettskollegen kurz. Ein ausländischer Botschafter, der kürzlich eine Nebenstelle des Ministeriums besuchte und nicht glauben wollte, daß es sich tatsächlich um das BMZ handele, schlug daher vor: "Vielleicht sollte man ein Projekt streichen, damit endlich ein vernünftiges Ministerium gebaut werden kann." Wolfgang Hoffmann