Nichts decouvriert eine Diktatur mehr als ihre Rechtsprechung. Weil das so ist, wurde in den letzten Tagen der Ausgang zweier Prozesse mit Spannung erwartet. Der eine fand vor den Augen der Weltöffentlichkeit in Burgos statt, der andere hinter einem Vorhang des Schweigens in Leningrad. Beide Male triumphierte diktatorische Willkür.

In Burgos wurden Urteile gesprochen, die selbst die schlimmsten Erwartungen übertrafen. Ungeachtet der weltweiten Proteste statuierten die Militärrichter Francos an den sechzehn angeklagten Basken ein Exempel, das die Friedhofsruhe in Spanien wiederherstellen soll. In ähnlichem Geist urteilten die Richter des Leningrader Stadtgerichts. Sie bestraften mit unglaublicher Härte ein Verbrechen, das nicht einmal stattgefunden hatte. Daß unter den verurteilten Sowjetbürgern sieben Juden sind, läßt den Zweck der Terrorurteile erkennen: Nicht nur Flugzeugentführungen sollte mit den drakonischen Strafen begegnet werden, es ging auch darum, die jüdische Minderheit unter Druck zu setzen.

Zwei Prozesse in zwei scheinbar so verschiedenen Ländern. Doch die Urteile beweisen es: Diktaturen gleichen einander, ob sie nun kommunistisch oder antikommunistisch sind. D.B.