Der herrschende Kalender ist der Kalender der Herrschenden. Viele rezipieren, wenige konzipieren ihn. Indem er vorgibt, die Ordnung der Monate, Wochen und Tage wiederzugeben, erzeugt und perpetuiert er sie. Die Elemente dieser Ordnung sind veränderbar, werden jedoch dem Volk als unveränderlich eingeredet.

Ein Kalender, somit auch der TeBe 1971, ist gesellschaftlich, und dies in dreierlei Hinsicht.

Als gesellschaftlich determinierter Gegenstand ist es ihm folglich immanent, die Interessen derjenigen Klasse, welche in der Gesellschaft ihre Interessen durchsetzen kann, durchzusetzen.

Dieses Kunstwerk wird im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit arbeitsteilig von Lohnabhängigen produziert, die zugleich seiner Ordnung unterworfen sind.

Er wird verwertet durch den Vertriebsapparat, der in der kapitalistischen Gesellschaft nur ein kapitalistischer sein kann.

Es sind daher die Interessen des Kapitals, welche beispielsweise als ästhetisches Surplus den Zeitpunkt des Sonnenauf- und -untergangs bestimmen und diesen damit zur Ware machen. Ihr Büttel ist die Naturwissenschaft, deren Vertreter noch heute unkritisch Atomreaktoren bauen, ohne den Wunsch des Volkes nach einem kritischen Reaktor zu erfüllen, und die damit den Widerspruch zwischen dem Niveau der Produktivkräfte und den gesellschaftlichen Verhältnissen beweisen. Die Handlangerdienste abhängiger Naturwissenschaftler bei der Produktion des Kalenders dienen dazu, im Volk Ehrfurcht vor den darin abgedruckten sogenannten objektiven Tatsachen zu erzeugen. Im Winter gibt es kürzere Tage statt längere, aber niemand fragt warum. Die Antwort ist, daß nur so die Energiewirtschaft als Teil der kapitalistischen Ökonomie im Winter ihre Spitzenprofite akkumuliert.

Der Rhythmus der Sieben-Tage-Woche tradiert den Mythos von der Erschaffung der Welt in sieben Tagen durch ein Wesen, das die bürgerliche Gesellschaft als höchste Stufe ihrer Hierarchie projiziert. Dazu gehört, daß sich zwar solche vorwissenschaftlichen Überbauphänomene wie etwa "Mariae Himmelfahrt" finden, man andererseits aber die gesamten Daten der Arbeiterbewegung, also der Menschwerdung des Menschen, unterdrückt, so etwa den Tag, an welchem die Dienstmagd von Karl Marx ihrem Herrn in einem dialektisch vermittelten Prozeß einen neuen kleinen Kämpfer gegen Unterdrückung und Ausbeutung gebar.