Deutschlands Computerfirmen sorgen sich um die Zukunft. Denn die Ausweitung ihrer Produktion ist bedroht, weil die Ausweitung der gesamten Datenverarbeitung und ihrer Anwendung durch Engpässe begrenzt ist. Ein Engpaß ist besonders gravierend: der Personalmangel.

Seit Jahren fördert Bonn zwar die Computerindustrie mit beträchtlichen Mitteln, eine Ausbildungsförderung für Computerpersonal fand jedoch so gut wie überhaupt nicht statt. Erst unlängst hat ein Ausschuß des Fachbeirates für Datenverarbeitung festgestellt, daß der Bedarf der Wirtschaft spätestens im Jahre 1978 rund 300 000 bis 420 000 Computerfachleute erreichen wird.

Nach Schätzungen der Computerfirmen IBM, Siemens, Nixdorf und AEG-Telefunken wird davon ein Sechstel bei den Herstellern benötigt und fünf Sechstel bei den Anwendern. Angesichts der bislang nur etwa 60 000 vorhandenen Fachkräfte für die Datenverarbeitung bedarf es eines Gewaltakts, um die drohende Personallücke zu schließen.

Wissenschaftsminister Leussink hat denn auch erkannt, daß "die Förderung der Datenverarbeitung notwendigerweise zur zentralen Aufgabe des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft (BMBW)" gehört. Tatsächlich arbeitet das Ministerium derzeit unter Hochdruck an einem zweiten Datenverarbeitungsprogramm der Regierung.

Während die bisherige Förderung sich weitgehend auf direkte Zuwendungen für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten beschränkte, will Leussink die Datenverarbeitung "künftig in voller Breite" fördern. Absoluten Vorrang hat nach den derzeitigen Vorstellungen die Personalausbildung. Vom nächsten Jahr an soll bis 1975 die Summe von 2,5 Milliarden Mark für Ausbildung und für Hochschulen eingesetzt werden. Allein 450 Millionen Mark sind für den Ausbau der Datenverarbeitungsschulen vorgesehen.

Nach den bisherigen Schätzungen werden 75 bis 110 Schulen für Datenverarbeiter benötigt, an denen etwa 1900 bis 2750 Dozenten lehren sollen. Um den Dozentenbedarf – der geschätzte Fehlbedarf: rund 1000 Dozenten – zu decken, sollen vor allem Absolventen von wissenschaftlichen Hochschulen die Chance erhalten, sich in ein- bis zweijährigen Kursen zum Computerdozenten ausbilden zu lassen.

Um den Mangel an Hochschullehrern für die Datenverarbeitung zu beseitigen, will Wissenschaftsminister Leussink den Professorennachwuchs fördern und ausländische Fachkräfte für deutsche Universitäten gewinnen. Derzeit sind in der Bundesrepublik nur 30 bis 40 Wissenschaftler für Informatiklehrstühle verfügbar. Nach den Berechnungen des Ministeriums müßte diese Zahl in den nächsten Jahren mindestens verdreifacht werden.