"Schweden zum Beispiel" – Eine Politanthologie, herausgegeben von Horst Schröder; März Verlag, Frankfurt; 400 S., Abb., 18,– DM. Angesichts der albernen Schweden-Klischees, die Film und Pornoindustrie überall eingebürgert haben, ist dieses Buch von erfrischender Lust am Zersetzen. Auch wenn man den ideologischen Antisozialdemokratismus des Herausgebers nicht teilt, so interessiert doch die Fülle von Dokumenten und Detailthemen aus erster Hand, an die der Ausländer schon aus Sprachgründen sonst kaum herankommt. Hier wird informativ und faktenreich am Wohlstandslack gekratzt. Vielleicht ein ungerechtes, aber doch notwendiges Korrektiv. Horst Krüger

Uwe Johnson: "Jahrestage – Aus dem Leben von Gesine Cresspahl"; Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 479 S., 24,– DM.

Hier gilt es nun wirklich: Es wird wieder erzählt, aus- und umschweifend erzählt, und dabei geradewegs das Ziel getroffen: nicht Bewältigung, wohl aber Vergewisserung der Vergangenheit und also der Gegenwart. Jerichow und New York, 1933 und 1967, Erdachtes wird zur Dokumentation, Dokumentation zur Wahrheit.

Peter Wapnewski

Daniel Lang: "Die Meldung 18. November 1966, Vietnam", Vorwort von Andrew Wilson, aus dem Amerikanischen von Uwe Bahnsen; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg; 90 S., 7,80 DM

Die Geschichte von einem der unzähligen kleinen Song Mys in Vietnam: Ein amerikanischer Spähtrupp entführt, vergewaltigt und ermordet ein Dorfmädchen. Der Bericht über Greuel und Prozeß ist ein Gleichnis für den ewigen Widerstreit zwischen Befehl und Gewissen und für die Verlorenheit des einzelnen im militärischen Apparat. Karl Heinz Janßen