Von Hang von Kuenheim

Es war vorauszusehen. Die Kontroverse Löwenthal–Nannen hat sich in den Maschen der Justiz verfangen. Anwälte und Richter führen das Wort. Es setzte einstweilige Verfügungen, mit denen die Kontrahenten einander den Mund verbieten. Dokumentationen werden angefertigt, in denen die Parteien einander der Fälschung bezichtigen. Eidesstattliche Erklärungen werden abgegeben und Persilscheine gesammelt; es wird versichert, gelobt und geschworen. Notare und Gerichtsvollzieher werden bemüht, Dolmetscher vereidigt, Tonbänder gegen Filmstreifen ausgespielt. Es fällt schwer, eine Satire nicht zu schreiben, meint die Süddeutsche Zeitung.

Die beiden Hauptakteure haben trotz des grimmigen Streits keinen Schaden an ihrer Seele genommen. Der ZDF-Moderator Gerhard Löwenthal, Inszenator des Spektakels, genießt seinen jungen Starruhm und verkündet stolz: "Ich bin der populärste Fernsehjournalist der Bundesrepublik geworden." Und auch der stern-Chefredakteur Henri Nannen, dem Lästerzungen nachsagen, er möchte am liebsten bei jeder Hochzeit der Bräutigam und bei jeder Beerdigung die Leiche sein, fühlt sich, ungebrochen, in seinem Element.

Die Anklagen, die Löwenthal Anfang Dezember gegen Henri Nannen und seinen Mitarbeiter Weidemann erhoben hatte, waren hart. Aus der Sendung – dem Zusammenhang der Filme, Schnitte, Überleitungen und Kommentare – mußte der unbefangene Zuschauer schließen, Weidemann sei nicht nur ein alter Nazi gewesen, sondern trage auch als einstiger Ortskommandant von Bevilacqua die Verantwortung für ein Kriegsverbrechen – und der damalige Leutnant Nannen, sein Freund, habe davon gewußt. Löwenthals Vorwurf: Wie kann Nannen einen "derart vorbelasteten Mann" im stern beschäftigen?

Der ZDF-Moderator stellte diesen Vorwurf zweimal auf. Einmal zu Beginn seiner Sendung, wobei er sich lediglich auf Weidemanns "nazistische Betätigung" bezog. Beim zweiten bezog er sich dann aber eindeutig auf die Vorgänge in Bevilacqua.

Mittlerweile gibt es ein erstes Urteil des Hamburger Landgerichts in der Sache Löwenthal/Nannen. Es entschied über eine einstweilige Verfügung, die Henri Nannen gegen das ZDF erwirkt hatte:

  • Dem ZDF wird verboten zu behaupten, der heutige Mitarbeiter des stern und ehemalige Ortskommandant von Bevilacqua, Hans Weidemann, sei für die Verhöre und Hinrichtung von Partisanen in Bevilacqua verantwortlich gewesen.
  • Dem ZDF wird verboten zu behaupten, Weidemann oder ein Angehöriger seiner Einheit trage die Verantwortung für den Tod eines "unbeteiligten jungen Mannes, keines Partisans, der ebenfalls in Verbindung mit der Brückensprengung im Raum Bevilacqua erhängt worden sei".
  • Das ZDF darf demgegenüber weiter behaupten, Weidemann sei "an den Vorgängen in Bevilacqua nicht verantwortlich beteiligt gewesen". In seinen mündlichen Erläuterungen zu dem Urteil erklärte der Gerichtsvorsitzende, daß die faksimilierte Unterschrift Weidemanns unter der Urteilsplakatierung eine "Beteiligung" darstelle.
  • Das ZDF darf weiter behaupten, dem ehemaligen Luftwaffenleutnant und heutigen Chefredakteur des stern, Henri Nannen, könne aus der Kenntnis von diesem angeblichen Kriegsverbrechen der Vorwurf gemacht werden, daß er Weidemann gleichwohl beim stern beschäftigte. Dabei handle es sich lediglich um eine Meinungsäußerung, die man dem ZDF nicht verbieten dürfe.