Von Horst Bieber

Der Basken-Prozeß in Burgos hat Franco und sein Regime in eine tiefe Krise gestürzt. Der spanische Staatschef hat die Todesurteile in Haftstrafen umgewandelt. Er konnte Milde walten lassen, weil, er noch immer Autorität verkörpert. Doch wie lange noch? Der General ist 78 Jahre alt, müde und krank, sein designierter Nachfolger, Prinz Juan .Carlos, ist eine blasse Erscheinung.

Mit 31 Regierungsjahren ist Franco der einzige Staatsmann in Europa, dessen Macht noch in die Vorkriegszeit zurückreicht. Doch die relative Stabilität, die er seinem Lande für lange Zeit sichern konnte, ist heute erschüttert. Franco ist es nicht gelungen, Spanien nach außen den Anschluß an Europa, zu verschaffen und im Inneren die unangefochtene Fortdauer des Regimes zu sichern. Spanien ist wirtschaftlich ein Entwicklungsland und politisch ein überständiger autoritärer Staat.

Der 1892 in El Ferrol geborene Francisco Paulino Franco y Bahamonde wollte eigentlich wie seine Vorfahren Marineoffizier werden. Mehr zufällig besuchte er seit 1907 die Infanterie-Akademie in Toledo: ein hoffnungsvoller junger Mann, der rasch alle Erwartungen erfüllte. Die Voraussetzungen brachte er mit: Zähigkeit, Geduld, Vorsicht – ein Erbe seiner galizischen Heimat –, Intelligenz und Rücksichtslosigkeit im entscheidenden Moment.

Damit mußte ein so glänzender Organisator wie Franco in der innerlich verfallenen spanischen Armee Karriere machen. Die ersten Meriten erwarb er sich in Marokko; er wurde rasch befördert und war jeweils der jüngste Hauptmann, Major, Oberst und General. Er war ein tapferer und mutiger Offizier mit einer operativen Begabung. Er bewies sie 1925, als er eine bravouröse militärische Aktion vorbereitete und leitete, die den für Spanien so schmachvollen Rif-Krieg beendete. Seit jener Zeit liebte ihn die Armee, denn er hatte ihr Ansehen gerettet.

Der Ehrgeiz des 34jährigen Generals richtete sich schon damals auf höhere Ziele. Gleich anderen Offizieren war er brennend interessiert an der Politik und genau wie sie enttäuscht und empört über die Schwächen des spanischen Parlamentarismus, der in Agonie versank. Doch über die Putschpläne seiner Kameraden lächelte er. Er besaß Augenmaß und konnte warten.

Die Diktatur des Generals Primo de Rivera fing den zerfallenden Staat noch einmal auf, vermochte aber keines der Probleme zu bewältigen, an denen Spanien schon damals krankte und die bis heute ungelöst sind: wirtschaftliche Rückständigkeit, mangelhafte Industrialisierung, ein vollkommen unzulängliches Bildungssystem, soziale Spannungen zwischen Landbesitzern und Pächtern und ein stetig wachsendes Gefälle zwischen Stadt und Land. Hinzu kamen die Forderungen der Katalanen und Basken nach Autonomie, die unerfüllt blieben. Als der lebenslustige, trinkfreudige und im Grunde großherzige General Primo de Rivera, unter dem der so völlig anders geartete Franco weiter Karriere machte, 1930 freiwillig ins Exil ging, verfiel die ein Jahr später ausgerufene Republik rasch in Anarchie.