Von Heinz-Josef Herbort

Würzburg, im Januar

Der Vorgang ist symptomatisch: Wer Anfang dieser Woche das Langschiff des Würzburger Kilian-Doms betreten wollte, mußte zunächst eine dreifache Ausweiskontrolle passieren. Was sich da hinter Kirchenmauern wie hinter einer Barriere verbarg, war weder eine Kriminalaffäre noch ein höchst geheimzuhaltendes oder äußerst gefährliches Forschungsunternehmen. Hinter den verschlossenen Türen tagte die erste "Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik".

Die Versammlung hatte nach der Präambel ihres Statuts die "Aufgabe, in ihrem Bereich die Verwirklichung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils zu fördern und zur Gestaltung des christlichen Lebens gemäß dem Glauben der Kirche beizutragen". Diejenigen allerdings, die später verwirklichen und gestalten sollen, die Gläubigen, sind von der Beratung ausgeschlossen. Von einer "Öffentlichkeit aller Vorgänge" weiß die Synode noch nichts.

"Die Presse ist in der Regel zu den Sitzungen der Vollversammlung zugelassen, über Ausnahmen sowie die Zulassung von Hörfunk und Fernsehen entscheidet das Präsidium", heißt es im Statut. Als der gelegentlich etwas aufmüpfige Dogmatik-Professor Karl Rahner eine solche Ausnahme erreichen, nämlich der Presse wenigstens den Zugang zu den konstituierenden Sitzungen der zehn Sachkommissionen verschaffen wollte, stimmte das Plenum ihn nieder. Es bediente sich des von den Linken erlernten Formalisten-Tricks: Rahner konnte die für einen solchen Antrag vorgeschriebenen dreißig Unterschriften nicht vorzeigen und versäumte es, ans Mikrophon zu treten und dreißig Gleichgesinnte um ein Handzeichen zu bitten. So wurden dann die Schlüsselpositionen in den Kommissionen im stillen Kämmerchen verteilt.

Mit solcher geheimen Kabinettspolitik ist die ganze Synode zustande gekommen. Dabei war ursprünglich das exakte Gegenteil beabsichtigt. Beim Essener Katholikentag 1968 hatte die Gruppe "Kritischer Katholizismus", durch die Ereignisse und Erfahrungen beim holländischen Nationalkonzil ermuntert, ein deutsches Nationalkonzil oder eine Pastoralsynode gefordert. Ziel der Gruppe war eine demokratisch strukturierte Versammlung, die die aufkommenden Reformbestrebungen koordinieren, lenken und verstärken sollte.

Schon im November 1968 aber setzte sich eine "Gemeinsame Studiengruppe" aus Mitgliedern der Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken zu ersten Beratungen über eine "Gemeinsame Synode der Diözesen in der Bundesrepublik" zusammen. Seitdem sind alle Vorbereitungen eine einzige Kette von Beschlüssen und Definitionen der Hierarchie, von Berufungen und Beauftragungen von oben herunter. Selbst das Zentralkomitee sah sich im November 1969 vor die Tatsache gestellt, daß das für die Struktur der Synode entscheidende Statut von der Bischofskonferenz allein beschlossen worden war. Damals wurde auch die ursprünglich einmal in der Präambel geforderte und auf ein zeitgemäßes Kirchenverständnis hinweisende "Besinnung der Kirche auf ihre Sendung und ihre Aufgaben in der Welt von heute" dem Wohlwollen der römischen Kurie geopfert und ersatzlos gestrichen.