In einem Beitrag über die Hausbesetzungen äußerte sich der Richter am Bundesverfassungsgericht, Professor Dr. Dr. Gerhard Leibholz:

"Das Grundgesetz bekennt sich zum sozialen Bundesstaat, und das Bekenntnis zum Sozialstaat hat dieselbe Bedeutung wie das Bekenntnis zum Rechtsstaat, Die Aufforderung ist also heute an den Gesetzgeber angesichts offensichtlich zutage liegender Mißstände, dafür Sorge zu tragen, inwieweit diesem Mißstand durch eine Änderung der bestehenden Eigentumsinhaltsbestimmung begegnet werden kann.

Mißbräuchliche Ausübung des Eigentumsrechts ist nicht verfassungsrechtlich geschützt, im Gegenteil, ich würde sagen, es ist verfassungswidrig, es widerstreitet dem grundgesetzlichen Bekenntnis zum Sozialstaat, dem auch der Eigentümer, auch der Hauseigentümer, Rechnung zu tragen hat.

Mit diesem Bekenntnis im Sozialstaat hat sich der Grundgesetzgeber nicht für ein bestimmtes Wirtschaftssystem und nicht für eine bestimmte Sozialordnung entschieden. Es ist daher falsch zu behaupten, daß das heutige System der sozialen Marktwirtschaft grundgesetzlich durch das Bekenntnis zum Sozialstaat im Grundgesetz abgesichert sei. Die gegenwärtige Wirtschafts- und Sozialordnung ist, so würde ich sagen, nur eine nach dem Grundgesetz mögliche Ordnung.

Die bisherige Wirtschaftsordnung beruht auf dem Willen des Gesetzgebers, auf seiner Entscheidung, die durch eine andere Entscheidung, die mehr sozial abgewandelt ist, ersetzt und durchbrochen werden kann."