Erding

Revolutionäre haben es schwer in unserem Land. Segeln sie nach mühevollen Demonstrationsjahren erschöpft und resigniert in den Hafen bürgerlicher Ehe, so erinnert das nicht selten an Kapitulation. Und der wehende Brautschleier wird dann, wenn man so will, zur weißen Fahne der Überläufer ins andere Lager. Was bleibt, ist allenfalls der Wille, das Leben zu zweit zumindest an der Basis zu verändern: Dem Nachwuchs soll der revolutionäre Schwung der sechziger Jahre erhalten bleiben.

So ähnlich mögen vielleicht auch die Eheleute Maria und Heinz-Georg Treyz in Erding gedacht haben. Ihren im Februar vergangenen Jahres geborenen Sohn nannten sie, in Erinnerung an den 1967 ermordeten bolivianischen Revolutionär Guevara, "Che".

Doch der Erdinger Standesbeamte Wachinger sah in der Namensgebung einen tückischen Anschlag der Apo auf altbayerische Traditionen und verweigerte die Eintragung in die Geburtsurkunde. Als Hüter weißblauer Namenspatrone hat ihm gewiß schon lange mißfallen, daß heute immer weniger Jungbayern auf Korbinian, Katharina oder Kreszenzia, Matthias oder Gaudenz getauft werden. Und die Feder hat sich ihm bestimmt gesträubt, wenn er Namen wie Françoise Schmiedramsl oder Marylin Huberbauer ins Namensregister eintragen mußte. "Che" allerdings nahm er nicht mehr hin. Und so schrieb er mit Amtsgewalt in die Geburtsurkunde Nr. 73/1970: "Ein Knabe, der noch keinen Vornamen erhalten hat."

Die Eltern waren damit keineswegs einverstanden. Che-Michael Treyz, so wiesen sie nach, haben bereits standesamtlich beglaubigte Namensvettern: Hosea-Che Dutschke in Berlin und Che-Christian-Fäusten Pospisil im oberbayerischen Obing. Überdies, so argumentieren sie, sei das Namensrecht der Eltern nur durch die allgemeine Sitte und Ordnung beschränkt. Und als unsittlich könne der Name Che doch nicht angesehen werden. Namenswächter Wachinger indes beharrte auf seinem Urteil, Che sei nun einmal "seinem Wesen nach kein eintragungsfähiger Vorname".

Die Kontrahenten zogen vor Gericht. Doch bis heute sind sich die Richter nicht darüber einig, ob der Name Che die nach deutschem Recht notwendige "kennzeichnende und bezeichnende Kraft" habe. Che-Michael aber feiert unbelastet, während sein Namenspatron Guevara die Gerichte beschäftigt, in wenigen Tagen seinen ersten Geburtstag. S. B.