Mit sehr gedämpftem Optimismus haben Israel und Ägypten die indirekten Friedensgespräche unter Vermittlung des UN-Beauftragten Jarring wieder aufgenommen. Die Bereitschaft beider Seiten, an den Verhandlungstisch, den sie im September verlassen hatten, zurückzukehren, war mit drohenden Hinweisen auf ihre militärische Bereitschaft und gewachsene Stärke verbunden.

Dennoch haben beide Parteien die Türen nicht zugeschlagen. Israels Ministerpräsidentin Golda Meir erklärte zwar noch einmal nachdrücklich, ein Rückzug aus den besetzten Gebieten sei vor Abschluß eines Friedensabkommens ausgeschlossen. Sie fügte aber hinzu, es gebe noch keine endgültige "Landkarte". Außenminister Eban ließ erkennen, daß man auch über Jerusalem und die Golan-Höhen sprechen könne.

Eban forderte auch Kairo auf, das kriegerische Rededuell zu beenden, um die Friedensaussichten nicht weiter zu verringern. Sein überraschender Vorstoß, er könne sich einen Staat der Palästinenser "östlich unserer Grenzen" denken, wurde von Jordanien als Versuch abgewehrt, einen Keil in das arabische Lager zu treiben.

Kriegerischer hat sich bislang die ägyptische Führung geäußert. Sie will die Waffenruhe am 5. Februar nur verlängern, wenn dann ein Zeitplan für den israelischen Rückzug vorliegt. Da Kairo gleichzeitig rege diplomatische Aktivität entfaltete, wird in New York vermutet, daß Ägypten vorerst eine friedliche Lösung anstrebt, die einen israelischen Abzug in Etappen mit entsprechenden politischen Gegenleistungen der Araber vorsieht. Aufmerksam wurde registriert, daß Kairo trotz Säbelrasselns bislang nur ein Friedensabkommen vor einem Rückzug der Israelis verwirft, nicht aber ein Abkommen, das einen parallelen Rückzug vorsieht.

Daß Israel mit Vorbehalten die Gespräche wieder aufgreift, beweist die Ankündigung Golda Meirs, ihre Regierung gehe von der Resolution des UN-Sicherheitsrates vom November 1967 aus, nicht aber von dem "Rogers-Plan" des Vorjahres, der nur eine "fragwürdige" politische Lösung biete. Kairo hat diesen Vorbehalt sogleich benutzt, Israel Winkelzüge und mangelnder Verhandlungsbereitschaft vorzuwerfen. Der ägyptische Staatschef Sadat fügte aber hinzu, daß sein Land "alles versuchen werde", einen neuen Krieg zu vermeiden.

Die jordanische Regierung hat in ihren Bemühungen, sich gegenüber den Palästinensern durchzusetzen, einen Erfolg erzielt. Amman wird seinen UN-Botschafter El Farra abberufen, der als geborener Palästinenser eine "in manchen Punkten abweichende Haltung" vertrete.. Bis zur Ernennung eines neuen Botschafters solle eine "gemäßigtere" Persönlichkeit die Verhandlungen führen. Ministerpräsident Teil versicherte, die Abmachungen zwischen Regierung und Freischärlern sollten auch nach Wiederaufnahme der Jarring-Gespräche "in allen Punkten" erfüllt werden.