Im Zuge der Re-Zentralisierung ist es am Wochenende zu einer einschneidenden Umbildung der tschechoslowakischen Bundesregierung gekommen. Zahlreiche Ministerien der tschechischen und slowakischen (Teil-)Republiken mußten ihre Kompetenzen an Bundesministerien abtreten. Neu- oder wiedergebildet wurden Bundesbehörden für Verkehr, Metallurgie und Maschinenbau, Energiewirtschaft und, Volkskontrolle. In Bundesministerien umgewandelt wurden die Behörden für Entwicklung, Landwirtschaft und Ernährung, Fernmeldewesen und Preisüberwachung.

Der Regierungsumbau dokumentiert zugleich einen Teilerfolg des harten, dogmatischen Parteiflügels, der auf der letzten ZK-Sitzung auch zu einem Schlag gegen Husak ausholte. Vasil Bilak, zuständig für internationale Beziehungen der KPČ, präsentierte einen Brief, in dem 40 prominente Parteimitglieder vor dem 21. August 1968 die Sowjetunion um Hilfe baten. Die Existenz eines solchen Schreibens war oft behauptet und geleugnet worden.

Für Husak gefährlich ist die Tatsache, daß seine Unterschrift fehlt. Die Dogmatiker versuchen offenbar, Husaks Einvernehmen mit Breschnjew zu unterlaufen und den Beweis zu führen, daß nur die konsequenten Internationalisten des Jahres 1968 heute zur Führung legitimiert sind.