Indiens Parlament ist 14 Monate vor Ablauf seiner auf höchstens fünf Jahre begrenzten Legislaturperiode aufgelöst worden. Staatspräsident Giri unterzeichnete nach längerem Zögern die von Ministerpräsidentin Indira Ghandi vorgelegte Auflösungverordnung. Neuwahlen wurden auf Anfang März festgelegt.

Dieser Schritt hat in Neu-Delhi nicht überrascht. Indira Ghandhis Kongreßpartei verfügt nach einer Parteispaltung 1969 nur noch über 220 der 520 Sitze im Unionsparlament und war auf die Stimmen der nach Moskau orientierten Kommunisten angewiesen. Aus diesem Grunde kritisierten die drei größten-Oppositionsparteien, die sich zu einem Wahlbündnis zusammengeschlossen haben, Giris Unterschrift, da man zuerst die Alternative einer anderen Regierung hätte prüfen müssen.

Indira Ghandis Erwartung, ohne ein Wahlbündnis die absolute Mehrheit zu erhalten, wird unterschiedlich beurteilt. Noch kann sich die Regierung auf die günstige Stimmung dank dreier guter Ernten stützen. Andererseits stehen für 1972 unaufschiebbare Steuererhöhungen bevor, ferner tiefgehende Maßnahmen, um die gestiegenen Agrar-Preise zu dämpfen.

Vorzeitige Wahlen würden zudem verhindern, daß Unionsparlament und Länderparlamente wie bisher gleichzeitig gewählt werden.