Schier jeder Mensch kann Menschen machen. Aber das einzige eines Menschen würdige Geschäft ist die Erziehung der Menschheit.

Hermann Kesten

Universität der Luft

Das bislang ehrgeizigste aller Projekte, die elektronischen Massenmedien zum Fernunterricht der Massen heranzuziehen, ist am 3. Januar, nach insgesamt siebenjährigen Beratungen und Planungen, in Großbritannien Wirklichkeit geworden: die Offene Universität, früher University of the Air genannt und dann umgetauft, weil sich herausstellte, daß bei aller Wichtigkeit, die Fernsehen und Hörfunk für sie haben, der Hauptteil des Lernstoffes doch durch Begleitkurse (tutorials) und vor allem durch schriftliches Begleitmaterial vermittelt werden wird. Offen heißt sie, weil sie jedermann eine Chance geben will, doch noch zu einer Universitätsausbildung zu gelangen, und ganz besonders denen, denen sie aus sozialen und geographischen Gründen unerreichbar war. Jeder darf sich einschreiben, ungeachtet seiner Vorbildung – im Prinzip jedenfalls; denn tatsächlich war der Andrang so groß, daß fast die Hälfte der 43 000 Bewerber abgewiesen werden mußte: Tutorials ließen sich bisher nur für 25 000 Studenten einrichten. Während Japan dabei ist, das britische Konzept zu kopieren, ist in der Bundesrepublik das sehr viel bescheidenere "Fernstudium im Medienverbund" fürs erste steckengeblieben: einerseits aus Gründen der Lethargie, andererseits darum, weil sich die vorhandenen Initiativen vor lauter Argwohn gegenseitig blockierten.

Perfekt

Daß sie im Westen nur schwer zueinander kommen konnten, war verständlich. Daß sie auch zu Hause Schwierigkeiten haben, würde niemand vermuten: Zum erstenmal traten in Moskau der Pianist Swjatoslaw Richter, der Geiger David Oistrach und der Cellist Mstislaw Rostropowitsch kürzlich für Beethovens Tripelkonzert zusammen mit dem Staatlichen Symphonie-Orchester der UdSSR unter Jewgenij Swetlanow auf. Die sowjetamtliche Nachrichtenagentur Tass vermeldete stolz, daß die drei großen Musiker nur zwei gemeinsame Proben benötigt hätten, um "ein perfektes Ensemble zu bilden". Sollten diese beiden Proben eventuell identisch gewesen sein mit den Sitzungen, in denen die drei russischen Künstler im vergangenen Jahr mit Herbert von Karajan in Berlin das Tripelkonzert für eine der spektakulärsten Schallplatten der letzten Jahre aufnahmen?