Die Gleichung Film ist Kunst ist Revolution hat seit elf Jahren in Kuba eine hochartifizielle, temperamentvolle und intelligente Filmproduktion hervorgebracht. Als ein weiteres Beispiel dafür zeigt das ZDF am 19. Januar „Die erste Schlacht mit der Machete“ (La primera carga al machete) von Manuel Octavio Gomez, der den Aufstand in der kubanischen Ostprovinz gegen die spanischen Besatzer im Jahre 1868 schildert. Ein frühes Beispiel von Guerillataktik: Die Rebellen vermeiden die offene Konfrontation mit der ungleich stärkeren Kolonialarmee und brechen statt dessen in deren Reihen ein, die sich schwerfällig durch den Urwald schlängeln, und hauen sie, als sei es Dickicht, mit der Machete nieder.

Die historischen Ereignisse werden als quasiauthentische moderne Fernseh-Dokumentation gezeigt. Der spanische Gouverneur, dekorativ von seinem Hofstaat umgeben, muß die peinlichen Fragen eines imaginären Reporters beantworten, Revolutionäre oder Linksintellektuelle erklären in Interviews und Statements ihre Einstellung, die Bevölkerung der von den Aufständischen besetzten Stadt Bayamo tut ihre Begeisterung in Straßenbefragungen kund. Direktton und Kamera-Laufgeräusch, scheinbar zufällige Mitschnitte bei Diskussionen, Terrorakte der Armee oder ein Aufruhr auf dem Marktplatz als action-Kino, gedreht mit einer vom Sturm der Ereignisse gleichsam mitgezerrten Handkamera, dann wieder reine Spielszenen aus der morbide-gelassenen Bourgeoisie, ein didaktischer Exkurs über Geschichte und Verwendungsmöglichkeiten der Machete, ein die politischen Zusammenhänge klärender Kommentar, direct-cinema-Reportagen vom Kampfschauplatz oder die in ihrer Glut und Melancholie mitreißenden Revolutionslieder eines Balladensängers, der wie ein neutraler Erzähler durch Straßen, Landschaften oder über Schlachtfelder zieht – der Film ist eine so verwirrende wie faszinierende Mischung aus historischer Realität, exakter Rekonstruktion und raffinierter Fiktion, ein brillantes Spiel mit revolutionärem Pathos, emotionalem Kalkül und sachlicher Distanz.

Ein zusätzlicher ästhetischer Reiz liegt in der Behandlung des Filmmaterials: Die Szenen mit den Spaniern, etwas flimmernd, bräunlich eingetönt, suggerieren die Echtheit vergilbter Photographien; die Revolutionsarmee wird in grobkörnigen, immer leicht überbelichteten Bildern ohne Grauwerte gezeigt; die Schlachtszenen schließlich werden durch Solarisation und Negativkopie bis hin zu abstrakter, bewegter Schwarzweiß-Graphik stilisiert.

Das kubanische Kino versteht sich als revolutionär. Auch dieser Film agitiert und argumentiert, er tut es mit optischen, ästhetischen, das heißt mit filmischen Mitteln. Wolf Donner